Offenbarung 22,1–5 – Der Baum des Lebens
Bibeltext (BasisBibel)
1Der Engel zeigte mir einen Fluss mit dem Wasser des Lebens. Der Fluss war klar wie Kristall und entsprang dem Thron Gottes und des Lammes.2Mitten zwischen der Hauptstraße und dem Fluss und an dessen beiden Ufern wachsen Bäume des Lebens. Die Bäume tragen zwölfmal Früchte: Jeden Monat bringen sie Früchte hervor. Und die Blätter der Bäume dienen den Völkern zur Heilung.3Es wird nichts mehr geben, das unter einem Fluch steht. Der Thron Gottes und des Lammes wird in der Stadt stehen. Ihre Bewohner werden Gott dienen und ihn anbeten.4Sie werden sein Angesicht sehen, und sein Name wird auf ihrer Stirn stehen.5Es wird keine Nacht mehr geben. Gottes Diener brauchen weder das Licht einer Lampe noch das Licht der Sonne. Denn Gott, der Herr, wird über ihnen leuchten. Und sie werden herrschen für immer und ewig.
Predigt
In meinen letzten drei Predigten habe ich versucht, herauszuarbeiten, was wir aus den ersten drei Kapiteln der Bibel über das Thema "Arbeit" lernen können. Wir sahen Gott als den ersten Arbeiter. Gott hat Zeit, Kraft und Ideen investiert, um diese Welt zu ordnen und sie so zu einer guten Welt zu machen. Dabei hat Gott von vorn herein den Menschen im Blick. Gott schafft einen Lebensraum für die Menschheit. Dieser Lebensraum ist so angelegt, dass die Menschheit dem Beispiel Gottes folgen kann. Dabei lässt Gott der Menschheit einen großen Spielraum und die Freiheit, selbst Entscheidungen zu treffen. Die Menschheit folgt Gottes Beispiel und macht sich an die Arbeit. Die Menschheit ordnet und gestaltet diese Welt. Und so herrscht die Menschheit über Pflanzen und Tiere. Damit setzt die Menschheit auch die Startbedingungen für nachfolgende Generationen.
Im dritten Kapitel der Bibel lesen wir, wie die Menschheit den ihr zur Verfügung stehenden Spielraum ausnutzt, um sich gegen Gott zu entscheiden. Damit folgt die Menschheit nicht mehr Gottes Vorbild. Dies hat auch Folgen für die Arbeit der Menschheit. Jeder Mensch hat nun seinen privaten Bereich, den er vor den Blicken der anderen schützt. Dadurch kann niemand mehr sicher sein, was die eigentlichen Ziele anderer Menschen sind. Das ist das Unkraut, welches unsere Arbeit erschwert, und manchmal sogar zunichte macht.
Gott legte den Garten Eden an, als Lebens- und Gestaltungsraum für die Menschheit, aber vor allem als Ort der Gemeinschaft mit Gott. In diesem Garten gab es viele Bäume und Pflanzen, und von allen durften die Menschen essen. Dann wird uns von zwei besonderen Bäumen berichtet, die Gott dort einpflanzte, nämlich dem Baum des Lebens und dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Nur von diesem zweiten Baum, dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, sollten die Menschen nicht essen. Der Baum des Lebens hingegen war nicht verboten. Gott hatte die Menschen ermutigt, von allen Bäumen zu essen, mit Ausnahme des Baumes der Erkenntnis. Der Baum des Lebens gehörte also mit zu den Bäumen, von denen Gott die Menschen aufgefordert hatte, zu essen.
Die Sünde der Menschen besteht also aus zwei falschen Entscheidungen. Um deutlich zu machen, warum ich von zwei falschen Entscheidungen spreche, lese ich ein Urteil Gottes vor, welches wir bei Jeremia finden:
Denn mein Volk hat ein doppeltes Unrecht getan: Mich, die Quelle, haben sie verlassen. Dabei fließt aus mir Wasser, das Leben schenkt. Dafür haben sie sich Zisternen gegraben, die Risse haben und kein Wasser halten. (Jeremia 2,13)
Wenn wir uns an diesen Ausspruch Gottes halten, verstehen wir, dass Adam und Eva zwei falsche Entscheidungen getroffen haben: Adam und Eva haben nicht getan, wozu Gott sie ermutigt hatte, denn sonst hätten sie vom Baum des Lebens gegessen. Adam und Eva haben getan, wovor Gott gewarnt hatte, und haben vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gegessen.
Wenn ich diesen Gedanken auf uns beziehe, die wir mit Gott unterwegs sein wollen, dann müssen wir zwei richtige Entscheidungen treffen.
Die eine richtige Entscheidung, von der wir oft reden, ist, nicht zu sündigen, uns von Sünde fern zu halten, unser Leben richtig zu gestalten, mit Gott den richtigen Weg zu gehen und das Gute zu tun. Wenn wir uns aber auf diese eine richtige Entscheidung beschränken, dann ist unser Bezugspunkt immer noch die Sünde. Wir bestimmen unseren persönlichen Standpunkt anhand der Frage, in wie weit unser Leben schon rein geworden ist. Wir haben ein Idealbild im Kopf davon, wie jemand mit Christus leben sollte, und bewerten uns selbst anhand dieser Vorstellung. Wir haben eine Skala im Kopf, mit einem ganz schlechten Bereich der schweren Sünde, dann mit einem leichteren Bereich der gelegentlichen Sünde, dann mit einem schon recht guten Bereich für jemanden, der regelmässig in der Bibel liest, der betet und der gelegentlich in der Gemeinde mitarbeitet. Aber dann gibt es für uns als eine Art Wunschbild noch den sehr guten Bereich, von dem wir vielleicht träumen, aber von dem wir, ehrlich gesagt, nicht ausgehen, dass wir da einmal hinkommen. Dort, in diesem unerreicht guten Bereich, da finden sich vielleicht erfolgreiche christliche Influencer, oder Menschen, die alles für Gott aufgegeben haben, oder Menschen, die um ihres Glaubens willen verfolgt wurden und Gottes Eingreifen hautnah erleben durften.
Ich überzeichne ein wenig, weil ich diesen Punkt deutlich machen will. Wir leben immer noch irgendwie von Wasser aus der Zisterne, aber wir sind schon recht gut darin geworden, die Risse in dieser Zisterne zu verschließen. Wir definieren uns immer noch über das richtige Verhalten. Wir sagen wie Eva, dass sie nicht nur nicht isst von der verbotenen Frucht, sondern dass sie diese Frucht nicht einmal anschauen will. Eva definiert sich darüber, wie groß ihre Distanz zum verbotenen Baum gerade ist. Das ist aber nur eine Entscheidung von zweien, die es zu treffen gilt.
Die zweite Entscheidung besteht darin, hinzugehen und vom Baum des Lebens zu essen. Damit bekommt das Leben einen neuen Mittelpunkt, also einen neuen Bezugspunkt. Wir gehen an die Quelle, um es mit dem Jeremia-Wort auszudrücken. Und dabei geht es überhaupt nicht um uns: Das Wasser des Lebens soll ja durch uns hindurch fließen, um das Leben in diese Welt zu tragen. Wir brauchen also nicht ständig unseren eigenen Pegel zu messen, und uns darüber zu definieren – denn dann sind wir wieder dabei, uns Zisternen zu machen. Nein, der Strom des Lebens soll durch uns hindurch fließen. Da gibt es keinen Stillstand. Da wird nichts aufgespeichert und erst später wieder abgerufen. Wir bringen mit unserem Leben ganz unmittelbar Menschen in Kontakt mit Gott. Die Quelle fließt durch uns hindurch.
Das meine ich mit der zweiten Entscheidung. Damit ist keine Reihenfolge gemeint. Beide Entscheidungen sind wichtig. Aber wir neigen dazu, Pegelstände zu messen und Erfolg zu beurteilen. Wir drehen uns um uns selbst, auch als Gemeinde. Darüber vergessen wir, dass es überhaupt nicht um uns geht. Das lebendige Wasser muss zu den Menschen. Die Blätter vom Baum des Lebens müssen zu den Völkern gebracht werden. Gottes Ehre soll in dieser Welt wieder hergestellt werden. Darum geht es. Dies ist eine priesterliche Aufgabe. Wir verbinden diese Welt wieder mit Gott. Gott schenkt dieser Welt Heil, Vergebung und Leben – dieses Geschenk Gottes fließt durch uns, wenn wir ständig mit der Quelle verbunden bleiben.
Gott arbeitet in dieser Welt auf ein Ziel hin. Alles in dieser Welt soll so geordnet sein, dass es Gott ehrt. Der Garten Eden ist gewissermaßen das Schaufenster für Gottes Ehre. Alles ist sehr gut. Aber als sich die Menschheit gegen Gott entscheidet, passt sie nicht mehr zu dem Ziel, welches Gott mit dieser Welt hat. Deshalb sperrt Gott Adam und Eva aus dem Garten Eden aus. So hat die Menschheit den Zugang zum Baum des Lebens verloren. Nach und nach hat Gott auch das maximale Lebensalter, welches Menschen erreichen können, herabgesetzt. Denn Gott arbeitet weiter daran, diese Welt so zu ordnen, dass sie Gott ehrt.
Nun geht es gegen Gottes Ehre, wenn er zunächst Menschen erschafft, die dann aber allesamt unfähig sind zum Leben. Trotzdem liebt Gott die Menschen, denn er hat sie nach seinem eigenen Vorbild gestaltet. Deshalb arbeitet Gott daran, die Menschheit zu retten und zu erneuern. Eine erneuerte Menschheit soll wieder Zugang zum Baum des Lebens bekommen, und auch von diesem Baum essen dürfen.
Das Buch der Offenbarung spricht mehrfach vom Baum des Lebens. Offensichtlich hat sich der Garten Eden inzwischen weiterentwickelt zu einer Stadt. Von Eden aus fließt ein Fluss, den Garten zu bewässern (Genesis/1. Mose 2,10). Im Buch der Offenbarung wird dieser Fluss als das Wasser des Lebens bezeichnet. An den Ufern dieses Flusses wächst nicht nur ein einzelner Baum des Lebens, sondern viele Bäume des Lebens. Übrigens findet sich eine ganz ähnliche Darstellung bereits im Buch des Propheten Hesekiel (Kapitel 47,1–12). Dort, beim Propheten Hesekiel, gibt es aber noch einen Tempel, den Hesekiel ausführlich beschreibt (ab Kapitel 40). Im Buch der Offenbarung gibt es keinen Tempel mehr. Der Thron Gottes und der Thron des Lammes stehen direkt in der Stadt. Die Bewohner der Stadt dienen Gott und beten ihn an, und können dabei direkt das Angesicht Gottes sehen.
Die Bewohner der Stadt leben also in dem Zustand, in dem Adam und Eva eigentlich hätten leben sollen. Adam und Eva waren direkt mit Gott in Kontakt, und ihre Aufgabe wäre gewesen, Gott zu dienen, also Gott mit ihrer Arbeit zu ehren. Doch Adam und Eva wollten Gott nicht dienen. Diese Rebellion gegen Gott war seither kennzeichnend für die Menschheit. Am Ende unserer Bibel sehen wir nun, dass Gott seine Ehre wieder herstellt. Die Bewohner der Stadt dienen Gott, während die Throne Gottes und des Lammes offen und sichtbar in der Stadt stehen.
Offensichtlich ist es Gottes Wunsch und Ziel, mit der Menschheit in Gemeinschaft zu leben und mit Menschen zusammen an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten. Das gemeinsame Ziel besteht darin, Gottes Ehre zu vermehren. Die große Erzählung der Bibel handelt davon, wie Gott sein Ziel erreicht. Viele kleine Erzählungen in der Bibel berichten uns davon, wie Gott mit einzelnen Menschen oder mit Familien, mit Stämmen und Völkern an dem Ziel arbeitet, Gottes Ehre zu vermehren. Zwischen Gottes Bereich, der für uns unsichtbar ist, und unserem Bereich, den wir sehen können, kommt es dabei immer wieder zu Berührungen und Begegnungen. Auch davon lesen wir in der Bibel. Ich will kurz einige dieser Berührungen und Begegnungen ansprechen.
Gott hat Abraham und Sara berufen. Durch diese beiden Menschen möchte Gott alle Völker der Erde segnen (Genesis/1. Mose 12,3). Also machten sich Abraham und Sara auf den Weg. Sie mussten lernen, den eigenen Wunsch nach einem Sohn hintenan zu stellen, und Gott den richtigen Zeitpunkt zu überlassen. Alle Ehre gehört Gott.
Die Nachkommen Abrahams wurden zu einem großen Volk. Am Berg Sinai schloss Gott einen Bund mit diesem Volk. Gott wollte aus diesem Volk ein Königreich von Priestern machen, also ein heiliges Volk (Exodus/2. Mose 19,5–6). Das ist schon sehr nahe dran an der Vision aus dem Buch der Offenbarung: Gott sitzt auf dem Thron inmitten von seinem Volk, welches ihm dient. Tatsächlich zeigte Gott dem Mose eine Vorlage, nach welcher Mose das Zelt der Begegnung bauen lassen sollte (Exodus/2. Mose 25,9.40). Gott wollte unter seinem Volk wohnen und mit seinem Volk mitwandern. Dafür ließ Gott dieses mobile Heiligtum bauen, das Zelt der Begegnung.
Gerade als alles soweit beschlossen und vorbereitet war, machte sich das Volk Israel ein goldenes Kalb, um es anzubeten. Als Reaktion auf diese unverfrorene Ablehnung wollte Gott das Volk vernichten. Doch Mose trat als Fürsprecher für das Volk auf, mit einem interessanten Argument: Gottes Ehre würde Schaden erleiden, wenn er das Volk Israel erst aus Ägypten befreit, nur um es anschließend in der Wüste zu vernichten. Die Ägypter wären nicht gerade beeindruckt von einem solchen Gott (Exodus/2. Mose 32,12). Am Ende vernichtete Gott das Volk Israel nicht, sondern blieb auch weiterhin mit dem Volk Israel auf dem Weg, durch sie für diese Welt ein Segen zu sein
Mit dem Zelt der Begegnung knüpft Gott an den Garten Eden an. Im Garten Eden begegnete Gott den Menschen. Das Zelt der Begegnung dient demselben Zweck. Der siebenarmige Leuchter im Zelt der Begegnung könnte eine stilisierte Darstellung von dem Baum des Lebens sein (Exodus/2. Mose 25,31–39). Die Arme des Leuchters gleichen Ästen. Sie waren mit Mandelblüten aus Gold dekoriert. Statt Früchten trug der Leuchter sieben Öllampen, die vom Abend bis zum Morgen für Licht sorgen sollten (Exodus/2. Mose 27,21).
Im Garten Eden hatte Gott unmittelbare Gemeinschaft mit den Menschen. Diese enge Gemeinschaft ging verloren, als Adam und Eva das Gebot Gottes übertraten und von dem verbotenen Baum aßen. Das Zelt der Begegnung wurde nun zu einem neuen Ort der Gemeinschaft zwischen den Menschen und Gott. Aufgrund der Sünde der Menschen konnte diese Gemeinschaft aber nur dann funktionieren, wenn sich die Menschen vorher reinigten und Opfer für die Vergebung ihrer Sünden brachten. Hierzu hatte Mose viele Details aufschreiben müssen, welche die Menschen einhalten mussten. Diese Gesetze galten später auch für den Tempel in Jerusalem. Es handelte sich also nur um eine begrenzte Gemeinschaft zwischen den Menschen und Gott.
Erst durch Jesus Christus wurde die Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen endgültig wieder hergestellt. Im Hebräerbrief wird dies in wenigen Sätzen zusammengefasst:
12Jesus Christus dagegen hat ein einziges Opfer für alle Sünden dargebracht. Danach hat er sich für immer an die rechte Seite Gottes gesetzt.13Seitdem wartet er, bis seine Feinde unterworfen sind und zum Schemel für seine Füße gemacht werden.14Er hat nur dieses einzige Opfer dargebracht. Aber dadurch hat er alle, die heilig werden sollen, für immer zur Vollendung geführt. (Hebräer 10,12–14)
Jesus hat sein Leben geopfert. Dadurch hat Jesus die Menschen wieder mit Gott in Gemeinschaft gebracht. Diese Beziehung zu Gott steht auf einer neuen Grundlage. Auch davon lesen wir im Hebräerbrief:
15Dafür ist auch der Heilige Geist unser Zeuge. Nachdem er gesagt hat:16»›Das ist der Bund, den ich nach diesen Tagen mit ihnen schließen werde‹, spricht der Herr: ›Ich werde mein Gesetz in ihre Herzen legen und sie in ihren Sinn schreiben.‹«17Und weiter: »An ihre Schuld und ihre Gesetzlosigkeit werde ich nicht mehr denken.«18Wenn die Sünden vergeben sind, ist kein Sündopfer mehr nötig. (Hebräer 10,15–18)
Wenn hier steht, dass Gott diesen Bund "nach diesen Tagen" mit den Menschen schließen wird, dann ist es für uns trotzdem eine Aussage, die sich auf die Gegenwart bezieht. Seit dem Pfingstfest, von welchem wir in Apostelgeschichte 2 lesen, gibt Gott uns seinen Willen in unser Herz und in unseren Sinn. Wir leben also wieder in der Gemeinschaft mit Gott, weil wir durch Jesus Christus wieder mit Gott verbunden sind.
Der eingangs gelesene Text aus dem Buch der Offenbarung berichtet uns von einem Fluss mit dem Wasser des Lebens. Als Jesus mit der samaritanischen Frau am Brunnen redete, sagte er:
»Wer von diesem Wasser hier trinkt, wird wieder Durst bekommen.
14Aber wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird nie wieder Durst haben. Denn das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle werden: Ihr Wasser fließt und fließt – bis ins ewige Leben.« (Johannes 4,13–14)
Wenn wir mit Jesus verbunden sind, dann geschieht in unserem Leben etwas, was Gott schon lange umsetzen will: Gott schafft sich ein Königreich von Priesterinnen und Priestern (Exodus/2. Mose 19,5–6). Wir leben als Priesterinnen und Priester Gottes in dieser Welt. Das Wasser des Lebens, welches von Gottes Thron und dem Thron des Lammes entspringt, fließt durch uns in unser Umfeld. Menschen, mit denen wir zu tun haben, kommen durch uns mit Gott in Verbindung. Entscheidend dafür ist, dass wir selbst an der Quelle dran bleiben und mit Gott verbunden sind.
Ich hatte zu Beginn gesagt, dass Adam und Eva zwei falsche Entscheidungen getroffen haben (Jeremia 2,13). Die erste falsche Entscheidung von Adam und Eva war, nicht zu tun, wozu Gott sie ermutigt hatte, denn sonst hätten sie vom Baum des Lebens gegessen. Ihre zweite falsche Entscheidung war dann, von der verbotenen Frucht zu essen. Deshalb musste Gott Adam und Eva aus dem Garten Eden vertreiben.
Diesen beiden falschen Entscheidungen möchte ich die beiden richtigen Entscheidungen gegenüberstellen. Eine der beiden Entscheidungen hat mit der Abkehr von der Sünde und dem richtigen Leben zu tun. Durch Jesus Christus sind uns unsere Sünden vergeben. All die Gelegenheiten in unserem Leben, wo wir gegen Gott handeln oder gehandelt haben, sind uns vergeben. Damit holt Gott uns zurück in die Gemeinschaft mit ihm.
Die andere richtige und wichtige Entscheidung liegt darin, uns voll und ganz mit der Quelle zu verbinden, und uns selbst nicht mehr wie so eine Art Wasserkanister zu verstehen, der in besonders geistlichen Momenten aufgefüllt wird, und sich dann wieder leert. Weil wir zu Christus gehören, dürfen wir vom Wasser des Lebens trinken und vom Baum des Lebens essen. Wir werden heil, und wir sind wieder mit dem Leben verbunden, nämlich mit Gott. Aber es geht dabei nicht um uns selbst, sondern Gott will seine Ehre wieder herstellen in dieser Welt. Dies tut Gott durch uns.
Nun hat Jesus nie vom Baum des Lebens gesprochen, aber er hat sich selbst als das Brot des Lebens bezeichnet:
47Amen, amen, das sage ich euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben.48Ich bin das Brot des Lebens.49Eure Vorfahren haben in der Wüste das Manna gegessen und sind dann doch gestorben.50Aber dies ist das wahre Brot, das vom Himmel herabkommt. Wer davon isst, wird nicht sterben.51Ich bin das Lebensbrot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wenn jemand von diesem Brot isst, wird er das ewige Leben haben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Leib. Ich gebe ihn hin, um dieser Welt das Leben zu schenken.« (Johannes 6,47–51)
Als Brot des Lebens schenkt Jesus dieser Welt das Leben. Im Text aus dem Buch der Offenbarung dienen die Blätter der Bäume des Lebens den Völkern zur Heilung. In beiden Fällen geht es also darum, dass sich das Heil Gottes ausbreitet unter den Völkern. Das meine ich, wenn ich von unserer priesterlichen Aufgabe spreche. Wir sind mit Gott verbunden. Wir bringen Menschen mit Gott in Verbindung.
Auch die Sache mit dem Licht hat Jesus auf sich selbst bezogen. Jesus sagte:
Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt. (Johannes 12,46)
Wer an Jesus glaubt, der lebt nicht mehr im Dunkeln. Wir brauchen Licht, um uns orientieren zu können. Jesus schenkt uns dieses Licht. Aber damit macht er uns selbst zu Lichtern in dieser Welt. Unser Leben braucht keine Gardinen oder Rollläden, sondern Gottes Licht muss zu den Menschen.
Gott schafft sich ein Königreich von Priesterinnen und Priestern. (Exodus/2. Mose 19,5–6). Diese Priesterinnen und Priester gehören Gott. Deshalb steht Gottes Name auf ihrer Stirn. Priesterinnen und Priester haben die Aufgabe, Menschen mit Gott in Verbindung zu bringen. Gottes Herrschaft wird immer weiter ausgedehnt.
Die Tatsache, dass auf der Stirn der Dienerinnen und Diener Gottes sein Name steht, ist ein Kennzeichen für diesen priesterlichen Dienst. Wir finden dieses Detail in den Anweisungen, die Gott Mose gab:
36Fertige eine Blüte aus reinem Gold an und graviere darauf wie bei einem Siegel: Heilig für den Herrn.37Binde sie mit einer Schnur aus violetter Wolle vorn an den Turban.38Aaron soll sie auf der Stirn tragen. Mit ihr trägt er die Schuld der Israeliten vor Gott, wenn sie ihre heiligen Opfer darbringen. Aaron soll sie beständig auf seiner Stirn tragen, damit der Herr das Opfer der Israeliten wohlwollend annimmt. (Exodus/2. Mose 28,36–38)
Wir leben also nicht irgendwie privat für uns selbst. Als Dienerinnen und Diener von Jesus Christus tragen wir seinen Namen auf der Stirn. Unser ganzes Leben ist darauf angelegt, Gott in dieser Welt sichtbar zu machen. Über unserem Leben steht der Name Gottes.
Ich fasse zusammen:
Das Leben geht vom Thron Gottes und vom Thron des Lammes aus. Hier entspringt der Fluss mit dem Wasser des Lebens. Auch die Blätter der Bäume des Lebens zur Heilung der Völker wachsen hier. Gottes Dienerinnen und Diener, seine Priesterinnen und Priester, bringen das Heil zu den Völkern. Das ist unsere Aufgabe, die wir vor Gott haben. Das Wasser des Lebens, welches wir bekommen haben, wird in uns zur Quelle für andere Menschen. So arbeiten wir mit Gott zusammen daran, sein Ziel für diese Welt zu erreichen. Alles in dieser Welt soll so geordnet sein, dass es Gott ehrt.
Auf diese Art wird Dein Leben Teil von Gottes großer Geschichte mit dieser Welt. Gott bezieht Dich mit ein, in zwei Schritten: Gott reinigt Dich und schenkt Dir das Leben. Und Gott wirkt durch Dich hindurch, um dieser Welt das Leben zu schenken. Du darfst Gott dienen und ihn anbeten. Gott schreibt seinen Namen auf Deine Stirn. Als Priesterin Gottes, als Priester Gottes bringst Du Heil, Vergebung und Leben zu den Menschen. Das Wasser des Lebens wird in Dir zur Quelle für andere.
Martin Pusch – Predigt gehalten am 12. Juli 2026.