Apostelgeschichte 14,23 – Ein baptistisches Grundelement – Die Selbständigkeit der Ortsgemeinde
Bibeltext (BasisBibel)
23In jeder Gemeinde ließen sie (Paulus und Barnabas) Älteste wählen. Dann beteten sie und fasteten. So vertrauten sie die Gemeinden dem Herrn an, an den diese nun glaubten.
Predigt
Heute geht es mir um ein weiteres baptistisches Prinzip, nämlich um die Selbstständigkeit der Gemeinde vor Ort. Hierzu sehen wir uns den Text aus Apostelgeschichte 13 und 14 an:
Paulus und Barnabas wurden durch die Gemeinde in Antiochia ausgesandt (Apostelgeschichte 13,1–3). Nach einem Zwischenstop auf der Insel Zypern kamen Paulus und Barnabas nach Antiochia in Pisidien. Der Name dieser Stadt leitet sich vom Namen des Stadtgründers ab. Es gab insgesamt 13 Herrscher des Seleukidenreiches mit dem Namen Antiochos, so dass es eben auch mehrere Städte mit diesem Namen geben kann.
In Antiochia in Pisidien predigte Paulus in der Synagoge. Viele Juden und Griechen kamen zum Glauben an Jesus Christus. Dann aber hetzten Juden, die nicht an Jesus Christus glauben wollten, gegen Paulus und Barnabas, so dass diese die Stadt verlassen mussten. (Apostelgeschichte 13,13–52)
Paulus und Barnabas gingen daraufhin nach Ikonion (Apostelgeschichte 14,1–7). Auch hier predigten sie in der Synagoge. Juden und Griechen kamen zum Glauben. Die öffentliche Meinung in der Stadt blieb allerdings gespalten, was den Glauben an Jesus Christus betrifft. Als der Streit bedrohliche Formen annahm, mussten Paulus und Barnabas die Stadt verlassen. Sie reisten weiter nach Lystra.
Auch in Lystra kamen Menschen zum Glauben an Jesus Christus (Apostelgeschichte 13,8–20). Dann aber kamen Juden aus Antiochia und aus Ikonion nach Lystra, um die Menschen dort gegen Paulus und Barnabas aufzuwiegeln. Am Ende zogen Paulus und Barnabas weiter nach Derbe.
In Derbe konnten Paulus und Barnabas ungestört predigen (Apostelgeschichte 13,20–21). Viele Menschen kamen zum Glauben an Jesus Christus, und wurden von Paulus und Barnabas im Glauben unterwiesen. Dann machten sich Paulus und Barnabas auf die Rückreise. Sie verließen Derbe, und kamen wieder nach Lystra, dann nach Ikonion, und schließlich wieder nach Antiochia in Pisidien. Auf dieser Rückreise passierte das, was wir eingangs in Vers 23 gelesen haben:
In jeder Gemeinde ließen sie (Paulus und Barnabas) Älteste wählen. Dann beteten sie und fasteten. So vertrauten sie die Gemeinden dem Herrn an, an den diese nun glaubten.
Paulus und Barnabas vertrauten die Gemeinden dem Herrn an, denn die Menschen in diesen Gemeinden glaubten ja nun an Jesus Christus. Jede Gemeinde ist also vor allem erst einmal mit Jesus Christus verbunden. Von außen gesehen ist jede Gemeinde eine eigenständige Gemeinschaft von Menschen. Diese Menschen waren von Paulus und Barnabas im Glauben unterwiesen worden. Alles weitere mussten die Mitglieder der Gemeinden nun selbst entwickeln, auf der Grundlage ihres Glaubens an Jesus Christus.
Einige Zeit später machten sich Paulus und Silas zusammen auf die Reise. Sie besuchten die bereits gegründeten Gemeinden. Die Städte Derbe und Lystra werden ausdrücklich genannt (Apostelgeschichte 16,1).
Paulus und Silas teilten den Gemeinden mit, was die Apostel und die Gemeindeältesten in Jerusalem beschlossen hatten. An diese Beschlüsse sollten sie sich halten. (Apostelgeschichte 16,4)
Die Apostelkonferenz in Jerusalem hatte darüber diskutiert, ob Christusnachfolger praktisch erst zu Juden werden müssen. Hintergrund ist die Frage nach dem Umgang mit dem Gesetz des Mose, welches Mose ja von Gott bekommen hatte. Es ist schwierig, sich vorzustellen, dass ein von Gott gegebenes Gesetz nicht mehr gelten soll. Trotzdem kam die Apostelkonferenz zu dem Schluss, dass Christen aus den Heiden das Gesetz nicht zu befolgen brauchten. Die Apostelkonferenz mahnte aber ein rücksichtsvolles Miteinander zwischen Juden und Heiden an, sowie den Einsatz der Gemeinde für Gerechtigkeit.
Diese Beschlüsse der Apostelkonferenz wurden den Gemeinden von Paulus und Silas überbracht. An diesem Beispiel sehen wir, wie eine Frage, die alle Gemeinden betraf, in einer gemeinsamen Versammlung diskutiert und beschlossen wurde. Das Ergebnis wurde allen Gemeinden mitgeteilt, damit sich die Gemeinden an diese Beschlüsse hielten.
Dieses Detail wurde in der Kirchengeschichte unterschiedlich interpretiert. Manche Kirchen haben solche zentralen Beschlüsse als Anweisungen an die Gemeinden aufgefasst, mindestens jedoch als eine starke Empfehlung. Wer diese Sicht teilt, der stellt sich eine Kirche vor mit einer zentralen Leitung. Die Gemeinde vor Ort hängt dann von dieser übergeordneten Leitung ab.
Als Baptisten haben wir in dieser Frage eine andere Auffassung. Wir sehen in der Apostelgeschichte und in den Briefen, dass die Frage nach dem richtigen Umgang mit dem Gesetz des Mose ein großes Thema war. Deshalb kamen Menschen aus den unterschiedlichen Gemeinden in Jerusalem zusammen, und suchten gemeinsam nach einer Antwort. Wir sehen auch, dass einzelne Menschen die Antwort bereits für sich gefunden hatten. Petrus hatte den Hauptmann Kornelius besucht, und dabei eine Sache gelernt:
34… »Jetzt begreife ich wirklich, dass Gott nicht auf die Person sieht!35Wer ihn ehrt und das tut, was vor ihm recht ist, den nimmt Gott an – ganz gleich, aus welchem Volk er stammt.36Diese Botschaft hat Gott seinem Volk Israel gesandt. Er hat ihm die Gute Nachricht verkündet, dass er Frieden gebracht hat – durch Jesus Christus, der Herr ist über alle Menschen! (Apostelgeschichte 10,34)
Aber auch Menschen wie Paulus und Barnabas mussten ihren Weg finden, wie sie mit der unterschiedlichen Lebensweise von Juden und Heiden umgingen. In Antiochia in Pisidien sagten sie zu den Juden in der Synagoge:
46… »Ihr wart die Ersten, denen wir das Wort Gottes verkünden mussten. Aber ihr wollt nichts davon wissen. Ihr habt euch selbst davon ausgeschlossen, das ewige Leben zu empfangen. Deshalb wenden wir uns jetzt an Menschen aus den anderen Völkern.47So hat es uns der Herr aufgetragen: ›Ich habe dich zum Licht für die Völker gemacht. Du sollst die Rettung bis ans Ende der Erde bringen.‹«48Als die Menschen aus den anderen Völkern das hörten, freuten sie sich. Sie priesen den Herrn für diese Botschaft. Alle, die für das ewige Leben bestimmt waren, kamen zum Glauben.49Die Botschaft vom Herrn verbreitete sich in der ganzen Gegend. (Apostelgeschichte 13,46–49)
Bei der Versammlung in Jerusalem wurden diese unterschiedlichen Erfahrungen eingebracht. Es wurde diskutiert, um dann einen Beschluss zu fassen. Die Bekanntgabe des Beschlusses festigte die Gemeinden, und löste Freude aus. Als Baptisten sehen wir hier keine zentrale Autorität am Werk, sondern wir sehen diese Konferenz eher als ein Werkzeug, wichtige Fragen gemeinsam zu besprechen und zu klären. Es wird etwas gelöst, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir werden lockerer, die Freude steht im Vordergrund. Wir freuen uns, wenn wir gemeinsam Hindernisse für das Evangelium überwinden können. Wir werden wieder frei dafür, die Gute Nachricht zu den Menschen zu bringen, ohne ihnen dabei auch noch andere Dinge aufzwingen zu müssen.
Der Gedanke dahinter ist, dass das Evangelium selbst Menschen verändern wird. Wer an Jesus Christus glaubt, lernt Jesus kennen und folgt ihm nach. Jesus selbst wiederum kennt seine Schafe:
14Ich bin der gute Hirte. Ich kenne die, die zu mir gehören, und die zu mir gehören, kennen mich. (Johannes 10,14)
27Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie, und sie folgen mir.28Ich gebe ihnen das ewige Leben. Sie werden in Ewigkeit nicht ins Verderben stürzen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. (Johannes 10,27–28)
Wer Jesus nachfolgt, wird auch von Jesus gehalten. Wenn das für den einzelnen Nachfolger gilt, dann gilt dies auch für eine ganze Gemeinde von Jesus-Nachfolgern. Jesus wird sich die Gemeinde nicht aus seiner Hand reißen lassen.
Wichtig ist aber auch die Erkenntnis, dass Jesus selbst diejenigen kennt, die zu ihm gehören. Es wird nirgends gesagt, dass die Gemeinde über dieses Wissen verfügt. Die christliche Gemeinde bestand von Anfang an nicht nur aus hingegebenen Jüngerinnen und Jüngern von Jesus. Es gab in der Gemeinde immer auch Leute, welche aus anderen Gründen dazu gehören wollten.
Die Selbstständigkeit einer Gemeinde wird immer dann gut funktionieren, wenn sich die Mitglieder der Gemeinde von Jesus Christus prägen lassen. Dafür ist jedes Mitglied selbst verantwortlich. Die Gemeinde kann ihre Mitglieder jedoch dabei unterstützen, und ihnen über Durststrecken hinweg helfen. Über eigene Schwierigkeiten zu reden fällt oft leichter, wenn man Teil einer überschaubaren und festen Gemeinschaft ist. Deshalb ist es gut, wenn sich die Mitglieder einer Gemeinde in solchen Gruppen organisieren.
Beispiel für solche Gruppen sind Hauskreise, in denen man sich trifft, um miteinander in der Bibel zu lesen. Gemeinschaft kann aber auch entstehen, wenn man als kleine Gruppe einen bestimmten Dienst übernimmt. Gespräche sind auch in der Küche möglich, oder beim Malen von Wänden, oder beim gemeinsamen Putzen. Entscheidend ist dabei, dass wir uns dabei gegenseitig ermutigen auf dem Weg mit Jesus. Wir beten füreinander, und wir teilen miteinander, was Gott tut. So führt die gemeinsame Erfahrung mit Jesus dazu, dass wir im Glauben wachsen.
Gleichzeitig reicht es nicht aus, wenn wir uns nur in kleinen Kreisen mit den Anliegen konkreter Menschen beschäftigen. Es gibt große Herausforderungen, für die wir uns mit anderen zusammentun müssen. Unsere Gesellschaft ändert sich. Die Fragen der Menschen ändern sich. Wer hätte sich vor einiger Zeit vorstellen können, dass Menschen die modernsten Kontaktmöglichkeiten haben und trotzdem dabei vereinsamen? Zusammen mit anderen Gemeinden in unserer Region wollen wir verstehen, was unsere nächsten Schritte sein könnten. Wir wollen gemeinsam Hindernisse für das Evangelium überwinden, damit Menschen die Freude entdecken, mit Jesus unterwegs zu sein. Deshalb wollen wir uns am 21. November zu einem Regionaltag in Schwabach treffen. Wir wollen staunen darüber, was Gott tut.
Grundlage unserer Selbstständigkeit ist die Gewissheit, dass Jesus als der gute Hirte weiß, wer zu ihm gehört. Grundlage ist auch, dass die Mitglieder einer Gemeinde sich wirklich von Jesus Christus prägen lassen wollen. Wir sind eine Gemeinde derer, die mit Jesus unterwegs sind.
Martin Pusch – Predigt gehalten am 16. August 2026.