Predigt-Blog

Hier schreibt unser Pastor Martin Pusch …

Apostelgeschichte 17,11–12 – Ein baptistisches Grundelement – Die Bibel als Gottes Wort

Bibeltext (BasisBibel)

11 In Beröa waren die Juden aufgeschlossener als in Thessalonich. Sie nahmen die Botschaft mit großer Bereitwilligkeit auf. Täglich überprüften sie in der Heiligen Schrift, ob das, was Paulus sagte, auch stimmte. 12 Viele von ihnen kamen zum Glauben. Darunter waren nicht wenige einflussreiche Griechen, vor allem Frauen, aber auch Männer.

Predigt

Paulus hatte in Thessalonich gepredigt, in der dortigen Synagoge:

2 … An drei Sabbaten sprach er mit den Versammelten über die Heilige Schrift. 3 Er legte sie aus und zeigte so: »Der Christus musste leiden und danach von den Toten auferstehen. Jesus, den ich euch verkünde, ist dieser Christus.« (Apostelgeschichte 17,2–3)

Paulus hat in der Synagoge über den Christus gesprochen, also über den Gesalbten Gottes. Im Alten Testament wird der Ausdruck "Gesalbter" für einen König Israels, für einen Priester oder für einen Propheten verwendet. Während der vierhundert Jahre, die zwischen Altem und Neuem Testament vergangen sind, hat sich der Ausdruck "Gesalbter" gewandelt. Nun steht er generell für den Bevollmächtigten Gottes, der aber erst noch erwartet wurde. Das hebräische Wort für den "Gesalbten" lautet maschiach, was dann im griechischen Text des Neuen Testaments mit "Messias" wiedergegeben wurde. Das eigentliche griechische Wort für einen "Gesalbten" lautet aber christos. Daraus wurde unser deutsches Wort "Christus".

Wenn Paulus also in der Synagoge über den Christus gesprochen hat, dann hat er über die Erwartung der Juden gesprochen, dass Gott seinen Bevollmächtigten senden wird. Anschließend hat Paulus Jesus vorgestellt. Dann hat Paulus nachgewiesen, dass Jesus alles erfüllt, was im Alten Testament über den Gesalbten gesagt wird.

Wir finden im Lukas-Evangelium ein ähnliches Gespräch. Der auferstandene Jesus Christus begegnet dort zwei Jüngern auf dem Weg nach Emmaus. Die beiden Jünger haben alle Hoffnung verloren, weil Jesus getötet wurde. Daraufhin erklärt Jesus den beiden Jüngern anhand der Schrift, das alles so geschehen musste:

25 Da sagte Jesus zu den beiden: »Warum seid ihr so begriffsstutzig? Warum fällt es euch so schwer zu glauben, was die Propheten gesagt haben? 26 Musste der Christus das nicht alles erleiden, um in die Herrlichkeit seines Reiches zu gelangen?« 27 Und Jesus erklärte ihnen, was in der Heiligen Schrift über ihn gesagt wurde – angefangen bei Mose bis hin zu allen Propheten. (Lukas 24,25–27)

Paulus macht in Thessalonich im Grunde genommen dasselbe: Drei Wochen lang weist Paulus anhand der Schriften des Alten Bundes nach, dass der von den Juden erwartete Christus den Tod erleiden und danach von den Toten auferstehen würde. Dann ist es Jesus genau so ergangen. Jesus wurde hingerichtet, und ist danach wieder von den Toten auferstanden. Was Paulus den Juden in Thessalonich sagen will, ist: "Jesus, den ich euch verkünde, ist dieser Christus."

Viele Menschen in Thessalonich ließen sich von Paulus überzeugen. Aber es gab einige Menschen, die sich nicht auf das Studium der Schriften einlassen wollten. Diese Menschen organisierten einen Mob und richteten so viel Chaos an, dass Paulus und sein Reisebegleiter Silas weiterzogen nach Beröa.

Auch in Beröa redete Paulus in der Synagoge, und sagte dort im Grunde dasselbe wie in Thessalonich. Aber in Beröa reagierten die Juden anders: Sie überprüften das, was Paulus sagte, anhand ihrer Heiligen Schriften, die unserem Alten Testament entsprechen. Nachdem sie geprüft hatten, was Paulus sagte, kamen viele von den Leuten aus der Synagoge zum Glauben an Jesus Christus.

Welche Schriften haben die Menschen in Beröa gelesen? Es handelt sich um die Schriften, welche sich in unseren Bibeln im Alten Testament befinden. Immer, wenn im Neuen Testament von den "Schriften" die Rede ist (das Wort γραφή (graphe) kommt etwa 50 mal vor), sind damit Bücher und Schriftstellen des Alten Testaments gemeint.

An vielen Stellen im Alten Testament kündigt Gott an, dass jemand kommen wird, um das Böse zu besiegen. Die erste solche Verheißung finden wir bereits im dritten Kapitel unserer Bibel, als Gott zur Schlange sagt:

Ich stifte Feindschaft zwischen dir und der Frau, zwischen ihrem und deinem Nachwuchs. Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse beißen. (Genesis/1. Mose 3,15)

Ein Nachkomme Evas wird der Schlange den Kopf zertreten. Dieser Nachkomme Evas wird aber dabei verletzt werden. Heute deuten wir diesen Vers auf Jesus hin. Jesus hat das Böse besiegt. Diesen Sieg hat Jesus mit dem Leben bezahlt. Aber am Ende hat Gott Jesus Christus von den Toten auferweckt.

So gibt es in der Schrift viele Hinweise auf Jesus Christus. Manche dieser Hinweise sind deutlich zu sehen. Andere Hinweise sind weniger deutlich. So zeigt Gott in seiner Geschichte mit Noah, dass Gott die Menschheit durch einen Menschen retten kann. Möglich wird dies, weil dieser Mensch Gott gehorcht.

In Beröa haben sich die Menschen mit den Schriften beschäftigt. Sie haben die Predigt des Paulus anhand der Schriften geprüft und angenommen. Leider hielt dieser Friede nicht lange. Die Unruhestifter aus Thessalonich kamen auch nach Beröa. Am Ende musste Paulus abreisen, damit die Stadt wieder zur Ruhe kam. Doch das Evangelium, die Gute Nachricht von Jesus Christus, war damit in Beröa angekommen. Menschen hatten die Gute Nachricht geprüft und glaubten nun an Jesus Christus. Diese Menschen lasen auch weiterhin die jüdische Bibel, unser Altes Testament. Aber sie lasen diese Schriften nun auf Jesus hin. Sie entdeckten, wie Gott unaufhörlich daran arbeitet, seine Ehre in dieser Welt wiederherzustellen.

Unsere Gemeinde hier in Regensburg ist ja eine Baptisten-Gemeinde. Die Baptisten sind an einigen grundlegenden Prinzipien zu erkennen. Eines dieser Prinzipien besteht darin, die Bibel als Gottes Wort aufzufassen. Daher soll die Bibel die alleinige Regel und Richtschnur für unseren Glauben und für unser Leben sein. Die Menschen in Beröa, die alles erst einmal anhand der Schriften geprüft haben, sind uns von daher sympathisch.

Nun können wir leicht sagen, dass wir die Bibel als Regel und Richtschnur für unseren Glauben und unser Leben betrachten. Doch wie sieht es mit der Umsetzung aus? Was bedeutet die Tatsache, dass die Bibel uns Weisung und Richtung gibt, für unseren Alltag?

Wenn wir von der Bibel sprechen, dann meinen wir damit eine Bibliothek von 66 Büchern, von denen 39 zum Alten Testament und 27 zum Neuen Testament gehören. Damit diese Bücher unsere Richtschnur sein können, müssen wir sie auch lesen und studieren. Dies wird nur dann funktionieren, wenn wir uns in unserem Alltag Zeit für die Bibel nehmen.

Die Bibel ist Gottes Wort an uns. Durch die Bibel lernen wir Gottes große Geschichte mit dieser Welt kennen. Wir lernen Gott selbst kennen. Wir verstehen, was Gott wichtig ist. Wir lernen, wie Gott mit einzelnen Menschen gearbeitet hat, oder mit Familien und Völkern. All das lebt davon, dass wir dieses Buch in die Hand nehmen, es lesen und darin forschen.

Was dürfen wir erwarten, wenn wir die Bibel studieren? Wie kann die Bibel für uns zur Richtschnur werden?

Durch die Bibel lernen wir Gott kennen. Wir erkennen, worauf es Gott ankommt. Die Werte, nach denen wir unser Leben ausrichten, verändern sich. Wir entdecken, dass Gottes Wort lebendig ist: Es spricht uns an. Es löst etwas in uns aus. Unser eigenes Leben wird mehr und mehr Teil der Geschichte Gottes mit dieser Welt.

Von ihrem eigenen Verständnis her möchten die Schriften unser täglicher Begleiter sein. Darauf weisen sie immer wieder hin. Als Josua die große Aufgabe als Leiter des Volks Israel übernimmt, sagt Gott zu ihm:

Hör nicht auf, in dem Gesetzbuch zu lesen, und denk Tag und Nacht darüber nach. So weißt du, worauf du achtgeben musst. So kannst du dein ganzes Tun danach richten, wie es darin geschrieben steht. Dann wird dir alles gelingen, was du unternimmst. Dann hast du Erfolg. (Josua 1,8)

Ähnliche Hinweise finden wir auch an vielen anderen Stellen (Beispiele: Psalm 1,1–3.19,8–15; Matthäus 7,24; Kolosser 3,16–17; Johannes 14,21).

Die Bibel ist weniger dafür geeignet, eine ganz bestimmte Frage zu beantworten, womöglich sogar unter Zeitdruck. Die Bibel ist kein Nachschlagewerk. Auch wenn die Bibel zu manchen Themen klare Aussagen macht, müssen wir doch immer die Bibel in ihrer Gesamtheit berücksichtigen. Vieles von dem, was Gott uns vermitteln will, liegt in Form von Geschichten vor. Diese Erzählungen sind teilweise überraschend komplex. Eine schnelle Einordnung der Handlungen in Gut und Böse ist nicht immer möglich. Stellvertretend für diesen Bereich möchte ich zitieren, was Josef seinen Brüdern mitgibt:

Ihr hattet Böses für mich geplant. Aber Gott hat es zum Guten gewendet. Er wollte tun, was heute Wirklichkeit wird: ein großes Volk am Leben erhalten. (Genesis/1. Mose 50,20)

Gott hatte es durch Josef möglich gemacht, dass die Großfamilie Jakobs eine Hungersnot überlebte. Das war natürlich eine gute Sache. Allerdings wurden ihre Nachkommen, das Volk Israel, in Ägypten versklavt. Das war nicht so gut. Doch so konnte Gott seine Macht zeigen, indem er das Volk Israel aus dieser Sklaverei befreite. Die Geschichte wendete sich also wieder zum Guten. Allerdings ist die Geschichte damit nicht zu Ende. Es geht noch öfter auf und ab, bis endlich, im Neuen Testament, Jesus Christus auf der Bildfläche erscheint. Selbst dann wird nicht automatisch alles gut, denn nur eine Minderheit glaubt tatsächlich an Jesus als den Gesalbten Gottes.

Das ist dann auch die entscheidende Frage, welche sich beim Lesen der Bibel ergibt: Glaubst Du an Jesus Christus? Glaubst Du, dass Jesus dieser Bevollmächtigte ist, den Gott versprochen hat, zu senden?

Die Frage, ob wir an Jesus Christus glauben, ist eine Frage an jeden Einzelnen von uns. Wenn Du sagst: Ja, ich glaube an Jesus Christus – dann stellen Dir die Texte der Bibel weitere Fragen. Denn innerhalb der Texte des Neuen Testaments gibt es zwei Positionen, die auf den ersten Blick wie Gegensätze erscheinen.

Die eine Position ist: Es ist der Glaube an Jesus Christus, der rettet, nicht der Gehorsam gegenüber dem jüdischen Gesetz. Hintergrund ist, dass mit dem Glauben an Jesus Christus viele Elemente der jüdischen Kultur nicht mehr entscheidend sind. Dazu gehören die Beschneidung oder auch das Einhalten von Speisevorschriften. Wir leben also in einer Spannung: Dem Glaubenden ist alles erlaubt, aber trotzdem ist nicht alles auch nützlich (1. Korinther 10,23–24). Der neue Maßstab ist also, den Vorteil möglichst vieler im Blick zu haben, und nicht vorrangig an sich selbst zu denken.

Die andere Position ist: Echter Glaube an Jesus Christus führt zu sichtbaren Veränderungen im Leben des Einzelnen. So findet sich das Wort "glauben" im Johannes-Evangelium fast 100 Mal, aber immer nur als Verb (Tun-Wort), also als etwas, das getan wird. (Die einzige Stelle, in welcher Johannes "Glauben" als Substantiv verwendet, befindet sich in seinem seiner Briefe: 1. Johannes 5,4.) Wer an Jesus Christus glaubt, dessen grundsätzlichen Werte verändern sich. Glaube und Handeln müssen zusammen passen (Jakobus 2,14–26).

Diese beiden Positionen ergänzen sich, und halten das Leben der Gemeinde in Bewegung. Die Bibel, und damit auch der Glaube an Jesus Christus, wird also nicht als starres Regelwerk verstanden. Christen sind Menschen, die mit Gott "auf dem Weg" sind (Apostelgeschichte 9,2; 18,25–26; 19,9.23; 22,4; 24,14.22). Unser Gott wandert mit, so, wie wir es schon in der Geschichte des Volkes Israel sehen. Dort begleitete Gott sein Volk in Gestalt einer Wolken- und Feuersäule (Exodus/2. Mose 40,36–38). Das erste Heiligtum war mobil, und wurde an jedem Lagerort wieder aufgebaut (Numeri/4. Mose 1,49–51). Ähnlich geht es uns, wenn wir in den Heiligen Schriften lesen und diese Texte studieren. Die Zeiten, in denen wir leben, ändern sich, was uns vor immer neue Fragen stellt. Das hält unsere Beziehung zu Jesus Christus in Bewegung. Wir lernen immer neu von Jesus Christus, indem wir in der Bibel lesen.

Damit die Bibel wirklich für uns als Regel und Richtschnur wirken kann, müssen wir sie lesen. Hierzu möchte ich Euch heute ermutigen. Letztendlich ermutigt die Bibel selbst uns dazu, sie zu lesen und zu studieren. Die Geschichte der Juden in Beröa ist dafür ein gutes Beispiel. Sie hatten einen Maßstab, nämlich die Heilige Schrift. Ihr Glaube an Jesus Christus hatte damit gleich von vorn herein eine tragfähige Grundlage. Das ist es, was wir auch heute brauchen. Also: Lest die Bibel!


Martin Pusch – Predigt gehalten am 26. Juli 2026.