Predigt
Letzten Sonntag haben wir uns das erste Kapitel der Bibel angesehen. Es ging um die Frage, was Arbeit ist. Wir sahen Gott als den ersten Arbeiter, wie er Ordnung in das Chaos brachte. Gottes Ziel war es, die Erde als Lebensraum für Menschen vorzubereiten. Mit seiner Arbeit diente Gott dem Menschen, denn Gott schuf für die Menschheit einen Lebensraum. Aus dem ungeordneten Zustand (tohu wa bohu) entstand durch Gottes Handeln eine gute und lebensfreundliche Welt (tov).
Dabei sind die Menschen keine Sklaven Gottes, sondern sie wurden als Ebenbild Gottes geschaffen. Mann und Frau erhalten gemeinsam den Auftrag, Gottes ordnendes und schöpferisches Handeln auf der Erde fortzuführen. Arbeit umfasst nicht nur Erwerbstätigkeiten, sondern jede Tätigkeit, die Zeit und Kraft investiert, um die Welt für andere Menschen ein Stück besser und geordneter zu machen. Der Gedankenanstoß am Ende der Predigt vom letzten Sonntag ging dahin, unsere eigene Arbeit als Teil von Gottes großem Plan für die Welt zu verstehen.
Heute möchte ich den Gedanken vom letzten Sonntag fortführen. Im zweiten Kapitel unserer Bibel finden wir ja noch einen weiteren Schöpfungsbericht. Und im dritten Kapitel wird uns von einer Entscheidung berichtet, die dramatische Auswirkungen hat. Wie verändert sich dadurch unser Blick auf das Thema Arbeit?
Der zweite Schöpfungsbericht bietet uns einen ganz anderen Blickwinkel auf das, was Gott tut. Der zweite Bericht ist nicht in Tage eingeteilt. Statt dessen wird deutlich herausgearbeitet, dass Gott die Welt als Lebensraum für den Menschen schafft.
Im ersten Bericht schafft Gott den Menschen am Ende, als Mann und Frau. Gott hat die Menschen also die ganze Zeit im Sinn, aber erst am Ende werden die Menschen dann auch erschaffen.
Im zweiten Bericht schafft Gott den Menschen zu Beginn, als ein lebendiges Wesen ohne Lebensraum. Die Erde ist bereits da, es gibt auch Wasser, und wahrscheinlich auch Licht. Ich lese den Anfang des Berichts vor:
4Das ist die Entstehungsgeschichte von Himmel und Erde: So wurden sie geschaffen. Zu der Zeit, als Gott der Herr Erde und Himmel machte,5wuchs noch nichts auf der Erde. Es gab keine Sträucher auf dem Feld und auch sonst keine Pflanzen. Denn Gott der Herr hatte noch keinen Regen auf die Erde fallen lassen. Es gab auch keinen Menschen, der den Erdboden bearbeitete.6Wasser stieg aus der Erde auf und tränkte den ganzen Erdboden.7Da formte Gott der Herr den Menschen aus Staub vom Erdboden. Er blies ihm den Lebensatem in die Nase, und so wurde der Mensch ein lebendiges Wesen. (Genesis/1. Mose 2,4–7)
Diese ersten Verse weisen uns darauf hin, dass es auf der Erde noch keine Pflanzen gab. Warum gab es noch keine Pflanzen? Zwei Voraussetzungen für Pflanzen waren noch nicht gegeben:
- Gott hatte noch keinen Regen auf die Erde fallen lassen. Pflanzen brauchen Wasser. Für dieses Problem gab es aber eine Lösung: Wasser kam von unten durch den Erdboden und tränkte das Land.
- Es fehlte eine zweite Voraussetzung für Pflanzen: Es gab noch keinen Menschen, der den Erdboden bearbeitete. Dieser Satz ist erstaunlich. Ein Urwald oder eine Wildnis kommen doch ganz gut ohne den Menschen zurecht. Offensichtlich geht es hier im Text nicht um einen Urwald, sondern um eine Kulturlandschaft. Gott stellt sich keine Welt vor, die von Grün überwuchert ist. Gott denkt an eine geordnete Landschaft als Lebensraum für den Menschen. Es ist der Mensch, der diese Landschaft erhalten und entwickeln soll.
Gott hat nun zwei Möglichkeiten. Gott kann mit der Landschaft anfangen, und schafft den Menschen dann, als alles fertig ist. So wird es uns im ersten Bericht geschildert. Aber Gott kann auch mit dem Menschen anfangen, und schafft erst danach einen Lebensraum für diesen Menschen. So wird es uns im zweiten Bericht geschildert. Jeder dieser beiden Berichte will uns Wahrheit vermitteln. Gott arbeitet, und schafft einen Lebensraum für den Menschen. Der Mensch arbeitet, und gestaltet seinen Lebensraum. Einen besonderen Akzent erhält der zweite Bericht dadurch, dass er mit dem Bau der Frau endet. Ja, die Frau wird gebaut (בָּנָה – banah), ganz so, wie ein Haus gebaut wird, oder eine Stadt, oder ein Tempel.
Übrigens: Bevor Gott die Frau baute, gab es auch noch keinen Mann. Der Text spricht durchgängig von dem Menschen. Der Mensch wird praktisch als "Erdling" (אָדָם – adam) bezeichnet, denn das Wort adamah steht für den Erdboden (אֲדָמָה – adamah), aus dem der Mensch, adam, gemacht ist. Erst nachdem Gott die Frau gebaut hat, werden die Begriffe für Mann (אִישׁ – isch) und Frau (אִשָּׁה נָשִׁים – ischah) eingeführt.
Ihr seht: Die beiden Schöpfungsberichte sind vollgepackt mit Wahrheit. Es gibt so viel zu entdecken. All das sehen wir aber nur, wenn wir uns auf den Text einlassen. Heute soll es hauptsächlich darum gehen, was der Text über Arbeit sagt.
Im zweiten Bericht hat Gott bereits den Menschen als lebendiges Wesen geschaffen. Nun erst kümmert sich Gott um den Lebensraum des Menschen:
8Dann legte Gott der Herr einen Garten an – im Osten, in der Landschaft Eden. Dorthin brachte er den Menschen, den er geformt hatte.9Gott der Herr ließ aus dem Erdboden alle Arten von Bäumen emporwachsen. Sie sahen verlockend aus, und ihre Früchte schmeckten gut. In der Mitte des Gartens aber wuchsen zwei besondere Bäume: der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.10In Eden entspringt ein Strom, der den Garten bewässert. Von dort teilt er sich in vier Flüsse:11Der erste heißt Pischon. Er fließt um das ganze Land Hawila herum, wo es Gold gibt.12Das Gold dieses Landes ist besonders rein. Dort gibt es auch kostbares Harz und den Edelstein Karneol.13Der zweite Strom heißt Gihon. Er fließt um das ganze Land Kusch herum.14Der dritte Strom heißt Tigris. Er fließt östlich von Assur. Der vierte Strom ist der Eufrat.15Gott der Herr nahm den Menschen und brachte ihn in den Garten Eden. Er sollte ihn bearbeiten und bewahren. (Genesis/1. Mose 2,8–15)
Gott legt einen Garten an, den Garten Eden (גן עדן – gan eden). Das Wort Paradies kommt erst im Neuen Testament vor. Der Garten Eden wird auch im NT nicht als Paradies bezeichnet, sondern der Begriff Paradies wird allgemein für den Raum der Begegnung zwischen Gott und Mensch verwendet (Lukas 23,43; 2. Korinther 12,4; Offenbarung 2,7). Übrigens stammt der Begriff Paradies aus dem Altpersischen, und steht für einen umgrenzten Garten.
Tatsächlich ist der Garten Eden ein Raum der Begegnung zwischen Gott und dem Menschen. Gott hat diesen Raum angelegt. Der Mensch soll diesen Raum bearbeiten und bewahren. Gott wird uns als Besitzer des Gartens geschildert, während der Mensch in der Rolle des Verwalters ist. Dies wird deutlich, wenn wir uns den Auftrag ansehen, den Gott dem Menschen gibt:
16Und Gott der Herr gebot dem Menschen: »Von jedem Baum im Garten darfst du essen.17Aber vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen. Sobald du davon isst, wirst du sterben.« (Genesis/1. Mose 2,16–17)
Die Völker rund um Israel dachten sich den Menschen als Sklaven der Götter. Ein Sklave hat erst einmal keine Rechte. Ein Sklave darf nur das tun, was man ihm ausdrücklich erlaubt. Der Bericht, den wir gerade lesen, stellt uns den Menschen als Verwalter vor. Ein Verwalter darf alles tun, mit Ausnahme von dem, was der Besitzer ihm verbietet. Das ist auch heute nicht anders. Wenn jemand z.B. für einen Besitzer Wohnungen verwaltet, darf der Verwalter alles tun, aber er darf die Wohnungen nicht ohne Zustimmung des Besitzers verkaufen. Auch hier wird also mit Einschränkungen gearbeitet.
Unser Text schildert uns den Menschen in der Rolle eines Verwalters. Gott, der Besitzer, erlaubt es dem Menschen, von allen Bäumen im Garten zu essen. Es gibt aber eine Einschränkung: Von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darf der Mensch nicht essen.
Was ist denn nun der Auftrag des Menschen? Der Mensch soll den Garten bebauen (עָבַד – abad) und bewahren (שָׁמַר – schamar). Vorher, in Vers 5, wurde gesagt, dass noch nichts wuchs, weil kein Mensch da war, die Erde zu bebauen. Durch die Arbeit des Menschen sollen sich die Pflanzen entfalten können. Die Aufgabe des Menschen teilt sich in zwei Bereiche auf: Bebauen und bewahren. Der Mensch legt also neue Kulturen an, und er pflegt bestehende Kulturen. Der Mensch gestaltet Neues und bewahrt das, was schon da ist. Das ist die Arbeit des Menschen.
Nun kommt noch ein dritter Arbeitsbereich hinzu. Dieser dritte Arbeitsbereich wird in den folgenden Versen eingeführt. Allerdings gibt es eine Klammer um diesen Text. Seht selbst:
18Gott der Herr sprach: »Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Hilfe machen – ein Gegenüber, das ihm entspricht.«19Gott der Herr formte aus dem Erdboden alle Tiere auf dem Feld und alle Vögel am Himmel. Dann brachte er sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde. Jedes Lebewesen sollte so heißen, wie der Mensch es nannte.20Also gab der Mensch ihnen Namen: allem Vieh, den Vögeln am Himmel und allen Tieren auf dem Feld. Aber es war keine Hilfe für den Menschen dabei – kein Gegenüber, das ihm entsprach. (Genesis/1. Mose 2,18–20)
Die Klammer um diesen Text ist die Frage nach einer Hilfe (עֵזֶר – eser), die dem Menschen entspricht und ihm ein Gegenüber sein kann. Dieses Wort "Hilfe" kann durchaus die Dimension einer Rettung annehmen. In diesem Sinne gab Mose seinem zweiten Sohn den Namen Eli-Eser. Denn Mose sagte: "Der Gott meines Vaters hat mir geholfen und mich vor dem Schwert des Pharao gerettet." (Exodus/2. Mose 18,4)
Der Mensch braucht ein menschliches Gegenüber – das sagt Gott, und fängt an, aus Erde allerlei Tiere zu formen. Wieder arbeitet Gott für den Menschen. Auch der Mensch ist ja aus Erde geformt.
Übrigens ist es nicht der Mensch, der hier einen Mangel ausdrückt und nach einem Gegenüber für sich sucht. Gott selbst stellt den Mangel fest. Das bringt uns zu einem weiteren Aspekt der Arbeit Gottes. Gott ordnet nicht nur, sondern Gott bringt die Dinge in Ordnung. Gott arbeitet daran, dass die Dinge gut und heil werden. Erinnern wir uns noch an den ersten Schöpfungsbericht? Dort gibt es eine Bemerkung, die kommt immer wieder:
Und Gott sah, dass es gut war. (Genesis/1. Mose 1,10.12.18.21.25)
Wir könnten auf den Gedanken kommen, dass immer alles gut ist, was Gott tut. Tatsächlich endet der erste Schöpfungsbericht mit folgendem Urteil Gottes:
Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. (Genesis/1. Mose 1,31)
Umso erstaunlicher ist daher die Bemerkung im zweiten Schöpfungsbericht, wo Gott feststellt: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist." Dabei hat Gott den Menschen doch so geschaffen. Am Anfang ist der Mensch allein. Und nun sagt Gott: "Es ist nicht gut – und deshalb ändern wir das jetzt. Ich will ihm eine Hilfe machen – ein Gegenüber, das ihm entspricht."
Im zweiten Schöpfungsbericht fällt dieser Zwischenschritt auf. Gott hält gewissermaßen inne, beobachtet die Lage und fasst den Beschluss, etwas noch besser zu machen. Der Mensch braucht ein Gegenüber, das ihm entspricht.
Das nächste Mal, wo Gott innehält und die Lage bewertet, kommt, nachdem Mann und Frau von dem verbotenen Baum gegessen haben. Wieder beobachtet Gott die Lage, und fasst einen Entschluss. Wir lernen dadurch, wie Gott arbeitet. Offensichtlich hat Gott ein Ziel, welches er erreichen möchte. Diese Welt soll sehr gut sein. Auf dieses Ziel arbeitet Gott hin.
Der Mensch bekommt nun den Auftrag, den Tieren Namen (שֵׁם – schem) zu geben. Diese Aufgabe geht tiefer, als wir zunächst vermuten. Namen zu geben ist ein Ausdruck von Macht. Der erste, der Namen gibt, ist Gott selbst. Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Nun soll der Mensch den Tieren Namen geben. Das sind ja keine Namen, mit denen sich die Tiere fortan selbst bezeichnen werden. Es sind Namen, mit denen der Mensch die Tiere einteilt und beschreibt. Der Mensch kann sich nur dann richtig um die Tiere kümmern, wenn er ihre Besonderheiten wahrgenommen hat. Der Mensch geht hier also den ersten Schritt, um diese Welt zu bewahren.
Wir wissen nicht, wie lange es dauert, den Tieren Namen zu geben. Wie viele Tiere gab es damals? Wie viel Zeit nahm sich der erste Mensch, um die Besonderheiten der einzelnen Tiere zu entdecken? Gott war ja ebenfalls da, denn Gott selbst brachte die Tiere zu dem Menschen. Gott wollte sehen, wie der Mensch die Tiere nennen würde. Wir sehen hier deutlich, dass es Gott offenbar wirklich ein Anliegen ist, dass der Mensch die Dinge in die Hand nimmt.
Am Ende lesen wir die Bemerkung, dass bei all den Tieren nichts und niemand dabei war, der für den Menschen eine Hilfe und ein Gegenüber sein konnte. Aber war es der Mensch, der diesen Mangel formuliert hat? Oder hat Gott diesen Mangel gesehen? Jedenfalls macht sich Gott an die Arbeit:
21Da versetzte Gott der Herr den Menschen in einen tiefen Schlaf. Er nahm eine von seinen Rippen und verschloss die Stelle mit Fleisch.22Aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, bildete Gott der Herr eine Frau. Die brachte er zum Menschen.23Da sagte der Mensch: »Sie ist es! Sie ist von meinem Fleisch und Blut. ›Frau‹ soll sie heißen und ich ›Mann‹. Von mir ist sie genommen, wir gehören zusammen.«24Darum verlässt ein Mann seinen Vater und seine Mutter und verbindet sich mit seiner Frau. Sie sind dann eins mit Leib und Seele.25Der Mann und seine Frau waren beide nackt, doch sie schämten sich nicht voreinander. (Genesis/1. Mose 2,21–25)
Gott hat den Menschen aus dem Staub der Erde geschaffen. Genauso hätte Gott nun auch die Frau schaffen können. Doch Gott nimmt bei dem Menschen etwas weg, um daraus dann die Frau zu bauen. Aus diesem Grund kann der Mensch später sagen: "Sie ist von meinem Fleisch und Blut." So übersetzt jedenfalls die BasisBibel. Im hebräischen Text ist die Aussage eigentlich: "Dies ist Knochen von meinem Knochen und Fleisch von meinem Fleisch."
Was hat Gott bei dem Menschen weggenommen, um die Frau zu bauen? In vielen Bibelübersetzungen steht das Wort "Rippe". Im hebräischen Text steht hier das Wort "zela". Es bedeutet "Seite" (צֵּלָע oder צַּלעָה – zela). Im übrigen Text des Alten Testaments wird zela z.B. für die Seite eines Berges verwendet, für einen Seitenflügel des Tempels, oder auch bei anderen Gelegenheiten, wo etwas zwei Seiten hat. Gott nimmt vom Menschen eine Seite weg und verschließt die Stelle. Dann baut Gott aus dieser Seite die Frau. Das klingt nach einem aufwändigeren Umbau, auch für Adam, den Menschen.
Gott bringt die Frau zum Menschen. Vorher hatte Gott die Tiere zum Menschen gebracht, und wollte sehen, wie der Mensch sie nennen würde. Jetzt bringt Gott die Frau zum Menschen. Die Reaktion des Menschen lässt erkennen, dass er wohl doch irgendwie auf der Suche war nach einem Gegenüber. Der Mensch gibt der Frau und auch sich selbst Bezeichnungen: "›Frau‹ soll sie heißen und ich ›Mann‹". Einen Namen bekommt die Frau auch, der wird aber erst später eingeführt (in Kapitel 3,20). Der Mensch, der Erdling Adam, nennt seine Frau Eva.
Der zweite Schöpfungsbericht führt die Möglichkeit der Entscheidung an. Wer arbeitet, muss sich immer wieder auch entscheiden, was er macht und wie er es macht. Gott arbeitet, und trifft dabei Entscheidungen: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Hilfe machen."
Aber auch der Mensch muss Entscheidungen treffen. All die verschiedenen Tiere brauchen Namen. Und dann gibt es noch die eine Einschränkung, die Gott gemacht hat. Der Mensch darf die Früchte aller Bäume essen. Aber ein Baum ist davon ausgenommen. Von diesem Baum darf der Mensch nicht essen.
Gott hat alles geschaffen, und arbeitet daran, dass es gut ist. Werden sich die Menschen unter Gott stellen, der ihnen ja nur Gutes gegeben hat? Oder wird sich der Mensch von Gott lossagen? Arbeit bringt viele Entscheidungen mit sich – dies ist auch für die gerade geschaffene Menschheit so. Menschen müssen sich entscheiden – es ist nicht möglich, einfach alles zu tun, denn unsere Kraft ist begrenzt. Es ist auch nicht möglich, nichts zu tun, wenn wir diese Welt gestalten wollen. Zwischen diesen beiden Extremen liegt das weite Feld der Entscheidung. Die Notwendigkeit, sich zu entscheiden, ist Teil dessen, nach Gottes Bild geschaffen zu sein. Denn auch Gott bewertet die Situation und trifft Entscheidungen. So lernen wir Gott kennen in diesem Bericht.
Als Menschen sind wir Gottes Mitarbeiter. Gott hat uns in diese Welt gesetzt. Unser Auftrag, unsere Arbeit ist es, diese Welt zu bebauen und zu bewahren. Wir sollten uns also fragen: Was bewahrt diese Welt? Was bringt sie voran? Was nützt den anderen Geschöpfen, die mit mir auf dieser Erde leben? Wie kann ich in dieser Hinsicht gute Entscheidungen treffen? Dies sind Fragen für jeden von uns. Dies sind aber auch Fragen, die wir als Gemeinde bewegen sollten.
Die Menschheit verwaltet diese Welt, aber diese Welt gehört Gott. Deshalb hat Gott dem Menschen eine Einschränkung mitgegeben. Wer diese Einschränkung außer Acht lässt, der vergisst auch, von wem der ursprüngliche Arbeitsauftrag kommt. Das Paradies ist ein Raum, in dem Menschen Gott begegnen. Die Arbeit und das Paradies gehören zusammen. Arbeit gehört mit in das Paradies. Kennt Dein Leben nur Arbeit, ohne Begegnung mit Gott, dann fehlt Dir etwas. Gleich auf den ersten Seiten der Bibel legt Gott Wert auf ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Ruhe. Gott will Dir begegnen. Gott will wissen, was Du machst. Gott interessiert sich dafür, wie es Dir geht. Gott kann verändern, was noch nicht gut ist. So lernen wir Gott kennen, wenn wir uns ansehen, wie Gott arbeitet.
Martin Pusch – Predigt gehalten am 14. Juni 2026.