Predigt-Blog

Hier schreibt unser Pastor Martin Pusch …

An den letzten beiden Sonntagen haben wir uns in der Predigt die ersten beiden Kapitel in unserer Bibel angesehen. Wir finden dort zwei Schöpfungsberichte. Im ersten Bericht wird uns Gott als Arbeiter vorgestellt, der nach einer intensiven Arbeitswoche einen Ruhetag einlegt. Die Frage, die wir uns gestellt haben, lautete: Was lernen über das Thema Arbeit?

Gott hat Zeit, Kraft und Ideen investiert, um diese Welt zu ordnen und sie so zu einer guten Welt zu machen. Dabei hat Gott von vorn herein den Menschen im Blick. Gott schafft einen Lebensraum für die Menschheit. Doch dieser Lebensraum ist so angelegt, dass die Menschheit dem Beispiel Gottes folgen kann. Was unsere Arbeit betrifft, ist Gott mit seiner Arbeit unser Vorbild. Dabei lässt Gott der Menschheit einen großen Spielraum und die Freiheit, selbst Entscheidungen zu treffen. Die Menschheit ordnet und gestaltet diese Welt. Und so herrscht die Menschheit über Pflanzen und Tiere. Damit setzt die Menschheit auch die Startbedingungen für nachfolgende Generationen.

Wenn wir etwas gestalten, dann treffen wir Entscheidungen. Im zweiten Schöpfungsbericht sehen wir, wie Gott die Situation bewertet und eine Entscheidung trifft: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ich will ihm ein Gegenüber schaffen. Und auch der Mensch hat Entscheidungen zu treffen. Gott führt die Tiere zu dem Menschen, und ist neugierig darauf, wie der Mensch diese Tiere nennen wird. Indem der Mensch den Tieren Namen gibt, fängt der Mensch an, diese Welt zu ordnen und zu gestalten.

Wir haben aber auch gesehen, dass die Menschheit nicht uneingeschränkt über diese Welt verfügen kann. Diese Welt gehört Gott. Die Menschheit ist in der Rolle eines Verwalters. Die Menschheit darf alle Früchte essen. Aber die Früchte eines Baumes bleiben der Menschheit verboten. Es handelt sich hier um den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.

Wie geht die Menschheit mit dem Verbot um? Wir lesen die ersten Verse aus Genesis 3:

1 Die Schlange war schlauer als alle anderen Tiere des Feldes, die Gott der Herr gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: »Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von keinem der Bäume im Garten essen dürft?« 2 Die Frau erwiderte der Schlange: »Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen. 3 Nur die Früchte von dem Baum, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott uns verboten. Er hat gesagt: ›Esst nicht davon, berührt sie nicht einmal, sonst müsst ihr sterben!‹« 4 Die Schlange entgegnete der Frau: »Ihr werdet ganz bestimmt nicht sterben. 5 Denn Gott weiß: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf. Ihr werdet wie Gott sein und wissen, was Gut und Böse ist.« 6 Da sah die Frau, dass dieser Baum zum Essen einlud. Er war eine Augenweide und verlockend, weil er Klugheit versprach. Sie nahm eine Frucht und biss hinein. Dann gab sie ihrem Mann davon, und auch er aß. 7 Da gingen den beiden die Augen auf, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie banden Feigenblätter zusammen und machten sich Lendenschurze. (Genesis/1. Mose 3,1–7)

Im ersten Vers begegnet uns eine sprechende Schlange. Natürlich kann eine Schlange nicht wirklich sprechen – sie wird also durch jemanden zum Sprechen gebracht. Allerdings sagt uns der Text nicht, wer durch diese Schlange spricht.

Die ersten beiden Kapitel der Bibel haben uns gezeigt, wie Gott arbeitet. Gott ordnet diese Welt. Gott schafft Leben und Lebensraum. Gottes Ziel ist, dass alles gut ist. Dafür arbeitet Gott.

Die Schlange, oder wer immer durch diese Schlange spricht, hat nicht dasselbe Ziel wie Gott. Die Schlange scheint darauf aus zu sein, Gutes zu zerstören. Das, was Gott geordnet hat, will die Schlange durcheinander bringen. Das, was Gott angeordnet hat, stellt die Schlange in Frage.

Trotzdem ist die Schlange gewissermaßen auf Gott angewiesen. Denn nur, weil Gott diese Welt ordnet, hat die Schlange etwas, was sie durcheinander bringen kann. Nur, weil Gott leben schafft und Lebensraum, kann die Schlange die Menschen überhaupt ansprechen. Die Schlange selbst ist ein Tier, und damit ein Geschöpf Gottes. Aber ganz offensichtlich teilt die Schlange Gottes Ziel für diese Welt nicht.

Für uns stellt sich daher die Frage, wo diese destruktive Macht herkommt, die hier als Schlange mit Eva spricht. Das Alte Testament gibt uns auf diese Frage keine wirkliche Antwort. Wer unbedingt eine Erklärung sucht, bezieht vielleicht Stellen aus Jesaja 14 (Jesaja 14,12–14) und Hesekiel 28 (Hesekiel 28,11–19) auf den Satan (שָׂטָן satan) – wobei die hebräische Bezeichnung Satan so etwas wie Gegner oder Widersacher bedeutet. Doch in Wirklichkeit sind die gerade genannten Stellen Worte über den König von Babel und den König von Tyrus. Es ist also gut möglich, dass das Alte Testament uns nirgends wirklich erklärt, woher das Böse kommt.

Doch lesen wir weiter, was uns Genesis 3 berichtet:

8 Als am Abend ein kühler Wind blies, ging Gott der Herr im Garten umher. Der Mann und seine Frau hörten ihn kommen. Da versteckten sie sich vor Gott dem Herrn zwischen den Bäumen im Garten. 9 Gott der Herr rief den Menschen und fragte: »Wo bist du?« 10 Der Mensch antwortete: »Ich habe dich im Garten gehört und Angst bekommen. Ich habe mich versteckt, weil ich nackt bin.« 11 Gott fragte: »Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem verbotenen Baum gegessen?« 12 Der Mensch entgegnete: »Die Frau, die du mir zur Seite gestellt hast, hat mir davon gegeben, und ich habe gegessen.« 13 Da fragte Gott der Herr die Frau: »Was hast du getan?« Die Frau erwiderte: »Die Schlange hat mich dazu verführt, und ich habe gegessen.« (Genesis/1. Mose 3,8–13)

Der Mann und seine Frau verstecken sich voreinander, indem sie sich notdürftige Kleidung machen. Beide verstecken sich zwischen den Bäumen vor Gott. Als Gott dem Mann und der Frau Fragen stellt, bestehen ihre Antworten aus Schuldzuweisungen. Der Mann und die Frau fühlen sich schuldig. Diese Schuld wollen beide loswerden, indem sie nach dem Ursprung des Bösen suchen. Der Mann meint, die Frau sei schuld. Die Frau meint, die Schlange sei schuld. Keiner von beiden sagt: Ich habe eine falsche Entscheidung getroffen. Ich bin selbst schuld.

Die Frage, wer eigentlich schuld ist, lenkt vom eigentlichen Problem ab. Vielleicht ist das der Grund, warum das Alte Testament uns keine Erzählung davon liefert, wie das Böse in die Welt gekommen ist. Statt dessen finden wir im Alten und im Neuen Testament eine große Erzählung davon, wie Gott in dieser Welt arbeitet, um sein Ziel zu erreichen. Und wir finden viele kleinere Erzählungen von Menschen, Familien und Völkern. Wir sehen, welche Entscheidungen sie jeweils für ihr Leben getroffen haben, und wie es ihnen damit erging. Diese Geschichten brauchen keinen großen Einflüsterer von negativen Gedanken. Nach allem, was wir sehen, streben Menschen ganz von selbst danach, sich "einen Namen zu machen" (Genesis/1. Mose 11,4), um so von Gott unabhängig zu sein.

Wir müssen also anerkennen: Ja, die Schlange hat Eva etwas eingeredet – aber es war Evas eigene Entscheidung, nach der verbotenen Frucht zu greifen. Niemand hat sie dazu gezwungen. Auch Adam war frei in seiner Entscheidung. Es war Adams eigene Entscheidung, die verbotene Frucht zu nehmen und davon zu essen. In der Geschichte war die sprechende Schlange zwar der Auslöser. Aber es war die persönliche Entscheidung der Menschen, die von Gott gesetzte Grenze zu überschreiten. Diese Schuld lässt sich nicht auf andere schieben.

Die Folge der Sünde ist, dass das Vertrauen zwischen den Menschen zerstört ist. Niemand möchte mehr dem anderen vollen Einblick geben in seinen privaten Bereich. Beide improvisieren Kleidung aus Blättern. Aber auch das Vertrauen zu Gott ist dahin. Beide verstecken sich zwischen den Bäumen, als sie Gott kommen hören.

Wie reagiert Gott darauf, dass die Menschen sich praktisch von ihm losgesagt haben? Wir lesen weiter:

14 Da sagte Gott der Herr zur Schlange: »Weil du das getan hast, sollst du verflucht sein – unter allem Vieh und allen Tieren auf dem Feld! Auf dem Bauch wirst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang. 15 Ich stifte Feindschaft zwischen dir und der Frau, zwischen ihrem und deinem Nachwuchs. Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse beißen.« 16 Zur Frau sagte er: »Jedes Mal, wenn du schwanger bist, wirst du große Mühen haben. Unter Schmerzen wirst du Kinder zur Welt bringen. Es wird dich zu deinem Mann hinziehen, aber er wird über dich bestimmen.« 17 Und zum Mann sagte er: »Du hast auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen. Ich hatte dir aber verboten, davon zu essen. Daher soll der Erdboden deinetwegen verflucht sein! Dein Leben lang musst du dich abmühen, um dich von ihm zu ernähren. 18 Dornen und Disteln wird er hervorbringen, du musst aber von den Pflanzen des Feldes leben. 19 Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst. Denn aus ihm bist du gemacht: Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.« (Genesis/1. Mose 3,14–19)

Den Auftrag des Menschen ändert Gott nicht. Noch immer soll der Mensch die Erde bebauen und bewahren. Doch jetzt wird sich die Erde gegen den Menschen sträuben. Die Arbeit wird sich nicht mehr leicht anfühlen. Das Chaos kehrt zurück. Unkraut mischt sich unter die Nutzpflanzen. Macht Gott die Arbeit des Menschen schwerer? Die Menschheit wollte doch Erkenntnis haben von Gut und Böse. Ab jetzt werden sich die Menschen ständig entscheiden müssen, und sie werden kaum eine Gelegenheit auslassen, das Falsche zu tun.

Das Unkraut ist ein Bild für die Herausforderungen, welche die Arbeit mit sich bringt. Der Text richtet sich ursprünglich an Menschen, die Teil einer von Landwirtschaft geprägten Kultur sind. Dornen und Disteln will niemand auf seinem Acker haben. Trotzdem tauchen diese stacheligen und nutzlosen Pflanzen dort auf und können zur Plage werden.

Auf unsere Arbeit bezogen, bedeutet dies: Arbeit verlangt ständig nach Entscheidungen. Durch die Sünde sind diese Entscheidungen viel schwerer geworden. Ich selbst kann mir ja nicht mehr sicher sein, dass alle meine Gedanken auch tatsächlich gut sind. Wir arbeiten mit Menschen zusammen, die oft genug auch erst einmal an sich selbst denken. Ein Chef kann nicht immer nur das Wohlergehen seiner Mitarbeitenden im Blick haben, sondern er muss auch wirtschaftliche Gesichtspunkte berücksichtigen. Wir sind heute in einer Situation, dass wir nicht einfach nur mit Spaß und Freude unsere Arbeit machen können. Manche Seite unserer Arbeit fühlt sich sehr nach Dornen und Disteln an.

Gott gibt ein Versprechen, eine Verheißung. Die Frau wird einen Nachkommen haben. Dieser Nachkomme wird der Schlange den Kopf zertreten. Die Quelle des Übels wird zertreten werden. Doch der, der die Schlange besiegt, wird dabei verwundet werden. Heute wissen wir, dass sich diese Verheißung auf Jesus Christus bezieht. Jesus hat die Schlange besiegt. Trotzdem hat das Gift der Schlange Jesus den Tod gebracht. Was war das Gift? Die geistlichen Leiter haben damals Jesus abgelehnt. Damit haben sich diese Leiter gegen Gott gestellt. Das Gift ist immer noch dasselbe wie bei Adam und Eva: Gott wird abgelehnt. Doch Gott hat Jesus wieder von den Toten auferweckt. Damit ist der Sieg über die Schlange vollkommen.

Gott gibt nicht nur eine Verheißung für die Zukunft. Gott kümmert sich auch um die unmittelbare Not der beiden Menschen. Feigenblätter sind keine gute Lösung gegen Nacktheit:

20 Der Mensch, Adam, gab seiner Frau den Namen Eva, das heißt: Leben. Denn sie wurde die Mutter aller Lebenden. 21 Gott der Herr machte für Adam und seine Frau Kleider aus Fellen. Die zog er ihnen an. 22 Dann sprach Gott der Herr: »Nun ist der Mensch wie einer von uns geworden und weiß, was gut und böse ist. Er soll seine Hand nicht ausstrecken und auch noch Früchte vom Baum des Lebens pflücken. Er darf sie nicht essen, sonst lebt er für immer.« 23 Da schickte Gott der Herr ihn aus dem Garten Eden weg. Er musste von nun an den Ackerboden bearbeiten, aus dem er gemacht war. 24 Gott jagte den Menschen fort. Östlich des Gartens Eden stellte er Kerubim und das lodernde Flammenschwert auf. Die sollten den Zugang zum Baum des Lebens bewachen. (Genesis/1. Mose 3,20–24)

Gott macht für Adam und Eva Kleider aus Fellen. Diese Kleider legt Gott ihnen nicht nur bereit, sondern er zieht sie den beiden sogar an. Gott sorgt für die Menschen.

Auch als Gott die Menschen aus dem Garten Eden vertreibt, geschieht dies aus Sorge für die Menschen. Dies ist ein komplexer Gedanke. Weil der Mensch nun weiß, was gut und böse ist, ist er von seinem Wissensstand her mit Gott vergleichbar. Doch Gott weiß: Der Mensch ist nicht bereit, Grenzen zu akzeptieren. Der Mensch wird alles ausprobieren, was im Bereich seiner Möglichkeiten liegt. Aus diesem Grund, sagt Gott, soll der Mensch nicht für immer leben. Gott sorgt dafür, dass die Menschheit auf keinen Fall Früchte vom Baum des Lebens pflücken und essen kann. Die Menschheit wird aus dem Garten Eden vertrieben, und verliert so den Zugang zum Baum des Lebens.

Arbeit ist keine Strafe für die Menschheit. In der Bibel lernen wir Gott als den ersten Arbeiter kennen. Gott ordnet diese Welt, um sie als Lebensraum für die Menschheit vorzubereiten. Die Menschheit, Mann und Frau, sind nach dem Bilde Gottes geschaffen. Die Menschheit soll diese Erde bebauen und bewahren.

Wir lernen aber auch, was wir ernten, wenn wir nicht nach Gott und nach seinem Willen fragen. Im Garten unseres Lebens wird das tohu wa bohu überhand nehmen. Manchmal dringt auch das Durcheinander aus dem Leben von anderen Menschen in unser eigenes Leben ein. Wie können wir unter diesen Umständen ein Segen für andere Menschen sein?

Um dies zu entdecken, müssen wir die große Erzählung der Bibel kennen. Gott arbeitet daran, dass diese Welt ein guter Ort wird. Die Schlange ist bereits besiegt. Gott will uns Leben schenken. Wir haben das Leben, wenn wir unser Leben mit Jesus Christus verbinden. Wir lernen neu, auf Gott zu hören. Wir lernen, Gott zu vertrauen, und uns von niemandem davon abbringen zu lassen.

So wird Gottes Ordnung wiederhergestellt, zumindest in unserem Leben. Wenn wir auf Gott hören und von Gott lernen, dann fangen wir an, diese Welt im Sinne Gottes zu verändern. Wir haben auch weiterhin einen großen Spielraum, wie genau wir diese Welt gestalten. Aber wir sind dabei nicht mehr auf uns selbst bezogen. Da, wo wir das Leben anderer Menschen berühren, werden wir für sie ein Segen sein. Unsere Arbeit wird für andere Menschen zum Segen. Unsere Arbeit wird also anderen Menschen dienen, und ihnen einen Vorteil bringen. Gleichzeitig lassen wir den anderen Menschen jede Freiheit, ob sie sich für oder gegen Gott entscheiden. Wenn wir so leben und arbeiten, folgen wir dem Vorbild Gottes.


Martin Pusch – Predigt gehalten am 21. Juni 2026.