Predigt-Blog

Hier schreibt unser Pastor Martin Pusch …

Kolosser 3,16–17 – In der Beziehung zu Christus leben

Bibeltext (BasisBibel)

16 Das Wort, in dem Christus gegenwärtig ist, wohne in reichem Maß bei euch. Lehrt einander und ermahnt euch gegenseitig. Tut das in aller Weisheit. Singt Gott aus vollem Herzen Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder. Denn er hat euch Gnade geschenkt. 17 Alles, was ihr sagt und tut, soll im Namen des Herrn Jesus geschehen. Dankt dabei Gott, dem Vater, durch ihn.

Predigt

In den Versen vor unserem Text geht es um die richtige Kleidung, die zu uns passt. Grundlage ist, dass wir von Gott auserwählte Menschen sind. Dazu wird uns besondere Kleidung vorgestellt, die aus göttlichen Eigenschaften besteht: herzliches Erbarmen und Güte. Hinzu kommen Eigenschaften des Friedenskönigs Jesus Christus, nämlich Demut und Freundlichkeit. Eine weitere göttliche Eigenschaft ist die Geduld mit anderen Menschen.

Sicher wird es uns nicht auf Anhieb gelingen, uns perfekt mit all diesen göttlichen Eigenschaften zu bekleiden. Wir selbst werden Geduld und Vergebung in Anspruch nehmen müssen. Genauso müssen wir selbst auch andere ertragen, die ja ebenfalls noch nicht perfekt sind. Was uns miteinander zusammenhält, ist das Band der Liebe. Sind wir derart eingebunden, gibt uns der Friede von Jesus Christus die Richtung vor. Wir werden dankbar für ein Leben in der Gemeinschaft mit Christus und mit unseren Schwestern und Brüdern, die wie wir an Jesus Christus glauben.

All die göttlichen Eigenschaften, mit denen wir uns bekleiden sollen, werden uns von Jesus Christus geschenkt. Es sind also keine Eigenschaften, die wir uns selbst erarbeiten. Wir sind eingeladen, diese neuen Kleider anzuziehen. Aber ohne eine lebendige Verbindung mit Jesus Christus werden wir keine Fortschritte erzielen. Wir müssen uns von Jesus Christus regieren lassen. Die beiden Verse, die wir uns heute ansehen, geben uns Einzelheiten, wie wir unsere Verbindung zu Jesus Christus gestalten.

Die Eigenschaften, mit denen wir uns bekleiden sollen, haben ihre Grundlage in dem Wort von Jesus Christus. Aber was ist mit dem Wort gemeint? Ist damit die Bibel gemeint? Gehen wir dieser Frage einmal nach.

Im griechischen Text ist von "dem Wort des Christus" die Rede. Dieses Wort ist handlungsfähig - es tut etwas, schließlich soll es ja bei uns wohnen. Kam das Verb "wohnen" nicht bereits vor? Ja, dieses Verb kam bereits vor – allerdings muss man für solche Detail-Fragen eine genauere Bibelübersetzung zu Hilfe nehmen. Ich ergänze den Text der BasisBibel also mit Zitaten aus der Elberfelder Bibel (ELB).

Im ersten Kapitel haben wir folgende Aussage gelesen:

18 Und er ist das Haupt des Leibes – der Gemeinde. Er ist der Anfang: der erste der Toten, der neu geboren wurde. In jeder Hinsicht sollte er der Erste sein. 19 Denn so hatte es Gott beschlossen: Mit seiner ganzen Fülle wollte er in ihm gegenwärtig sein. (Kolosser 1,18-19) (ELB: … es gefiel der ganzen Fülle, in ihm zu wohnen)

Im zweiten Kapitel kommt das Verb "wohnen" noch einmal vor:

9 In ihm ist die ganze Fülle Gottes leibhaftig gegenwärtig. (ELB: … in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig) 10 Und an dieser Fülle habt ihr Anteil, weil ihr zu Christus gehört. Der steht als Haupt über allen Mächten und Gewalten. (Kolosser 2,9-10)

Alle Fülle wohnt in Christus. Die ganze Fülle der Gottheit wohnt in Christus. Dieser Christus wohnt nun bei uns, in seinem Wort. Wollen wir diesen Vorgang beschreiben, genügen Substantive und Adjektive nicht, sondern wir brauchen Verben. Das Wort wohnt bei uns. Christus spricht sein Wort in unser Leben hinein. Durch das Wort kommt Gottes Fülle in unser Leben und wohnt bei uns.

Ja, mit dem Wort Christi ist unsere Bibel gemeint, vor allem das Alte Testament. Denn um das Neue Testament zu verstehen, brauchen wir das Alte Testament. Jesus Christus, dessen Leben, Sterben und Auferstehen uns im Neuen Testament berichtet wird, bildet das Ziel vieler Linien aus dem Alten Testament. Begriffe wie Menschensohn, Spross Davids oder Gottesknecht wurzeln im Alten Testament, und werden von Jesus Christus verkörpert. Jesus selbst nutzte die Schriften des Alten Testaments, um auf dem Weg nach Emmaus seinen Auftrag zu erklären:

27 … Jesus erklärte ihnen, was in der Heiligen Schrift über ihn gesagt wurde – angefangen bei Mose bis hin zu allen Propheten. (Lukas 24,27)

Paulus fordert uns auf, dieses Wort, in dem Christus gegenwärtig ist, in reichem Maß bei uns wohnen zu lassen. Dabei ist es nur ein erster Schritt, das Alte Testament gründlich zu studieren und den Verbindungen zum Neuen Testament nachzugehen. Wir bleiben nicht dabei stehen, Wissen zu sammeln. Wir wollen Christus entdecken und kennenlernen. Christus will durch sein Wort in unserem Alltag wohnen. Deshalb schreibt Paulus: "Lehrt einander und ermahnt euch gegenseitig."

Ganz offensichtlich denkt Paulus sich den Gemeindealltag nicht so, dass es einige wenige Profis gibt, welche das faktische Monopol der Lehre haben. Wir lehren und ermahnen uns gegenseitig. Das geschieht bei uns in Hauskreisen und im Bibelpunkt, in der Sonntagsschule und im Teeniekreis, bei Treffen in persischer und in spanischer Sprache sowie im Bibelunterricht und im Gottesdienst. All diese Treffen sollten sich nicht darauf beschränken, dass einer lehrt und die anderen "auftanken". Wir wollen einen Rahmen gestalten, der zum Gespräch einlädt.

Dabei müssen wir unsere eigene Rolle verstehen. Es ist nicht so, dass wir das Wort von Christus in uns aufspeichern, um es dann anderen weiterzugeben. Sondern wir laden andere dazu ein, dass sie ebenfalls das Wort von Christus reichlich bei sich wohnen lassen. Wir machen Menschen neugierig auf das Wort. Wir geben Anleitung und Zugang. Wenn jemand mit längeren Texten und Zusammenhängen noch überfordert ist, vereinfachen wir und lassen schwierige Stellen zunächst weg. "Tut das in aller Weisheit", schreibt Paulus.

Am Ende soll aber jeder direkt aus der Quelle schöpfen. Das ist das Ziel. Christus ist in seinem Wort gegenwärtig. Der Heilige Geist erinnert an das, was Jesus Christus uns sagt. Deshalb ist es uns ein großes und wichtiges Anliegen, dieses Wort zugänglich zu machen. Das Wort von Christus und die Herausforderungen unseres Alltags müssen einander begegnen. Gottesdienst und Alltag gehören zusammen. Alltag ist Gottesdienst.

In dem Moment, in dem das Wort von Christus und unser Alltag sich begegnen, entstehen neue Texte. Die Psalmen werden im Neuen Testament ja recht häufig zitiert. Es gibt auch Hymnen, wie z.B. den Christushymnus hier im Kolosserbrief (Kolosser 1,15-20). Wir finden Lieder, wie z.B. das Lied von Maria (Lukas 1,46-55). Und wir entdecken, dass wir ebenfalls singen dürfen, um Gott zu ehren. Wir finden eigene Worte und Vergleiche. Denn Christus hat uns Gnade geschenkt – ganz aktuell, hier und heute. Seine Gnade ist jeden Morgen neu:

22 Ja, seine Güte hört nicht auf. Sein Erbarmen hat noch lange kein Ende. 23 Jeden Morgen erbarmt er sich von Neuem. Gott, deine Treue ist unfassbar groß. 24 Ich bekannte: »Der Herr ist alles für mich! Deshalb setze ich meine Hoffnung auf ihn.« (Klagelieder 3,22-24)

Unser Gottesdienst soll in den Alltag ausstrahlen. Alles, was wir sagen und tun, soll im Namen unseres Herrn Jesus geschehen. Unseren Gottesdienst feiern wir im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Genau dasselbe können wir auch mit unserem Alltag machen. Unser Alltag steht auf der Grundlage unserer Beziehung zu Jesus Christus.

Ein Kennzeichen für unsere Beziehung zu Jesus Christus ist unsere Dankbarkeit. Wir sind Gott dankbar, denn wir leben aus Gnade. Wir entwickeln einen Blick dafür, dass alles, was wir zum Leben brauchen, letztendlich von Gott kommt. Wir ehren Gott, indem wir nichts als selbstverständlich annehmen, sondern Gott danken. Wir wissen uns von Gott geliebt und beschenkt.

Unsere Dankbarkeit braucht eine stabile Grundlage, nämlich das Wort von Jesus Christus. Durch die Geschichten des Alten Testaments lernen wir Gott kennen. Wir sehen, dass Gott schon immer in einer engen Beziehung zu seinen Menschen leben will. Die Menschen waren nie perfekt. Wann immer Menschen mit Gott unterwegs waren, da wurde es gut, weil Gott gnädig ist, und nicht, weil die Menschen perfekt waren. Und wir entdecken, dass wir heute in einer besonderen Zeit leben. Gott ist in Christus, und Christus ist durch sein Wort in unserem Leben gegenwärtig. Christus wohnt in unserem Leben, durch sein Wort. So können wir durch alles, was wir sagen und tun, unsere Dankbarkeit gegenüber Gott ausdrücken.


Martin Pusch – Predigt gehalten am 1. Februar 2026.