Predigt-Blog

Hier schreibt unser Pastor Martin Pusch …

Kolosser 4,2–6 – Betend hinhören

Bibeltext (BasisBibel)

2 Hört nicht auf zu beten. Bleibt dabei stets wachsam und voller Dankbarkeit! 3 Betet dabei zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für sein Wort öffnet. Mit ihm verkünden wir das Geheimnis, dass Christus bei euch gegenwärtig ist. Wegen dieser Botschaft bin ich in Haft. 4 Betet auch, dass ich es anderen so enthüllen kann, wie mein Verkündigungsauftrag es erfordert. 5 Begegnet den Außenstehenden mit Weisheit. Macht das Beste aus eurer Zeit! 6 Eure Rede sei stets freundlich und mit einer Prise Salz gewürzt. Denn ihr müsst wissen, wie ihr jedem eine angemessene Antwort geben könnt.

Predigt

Es ist typisch für die Briefe von Paulus, dass am Ende noch ein paar Ermahnungen kommen. Paulus will sicherstellen, dass für das Leben mit Christus wichtige Punkte in Erinnerung bleiben.

Der wichtigste Punkt steht an erster Stelle: Hört nicht auf zu beten. Am Anfang des Briefes hatte Paulus geschrieben, dass er und seine Mitarbeiter unablässig für die Christen in Kolossä beten:

3 Jedes Mal, wenn wir für euch beten, danken wir Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus. […] 9 Deshalb beten wir unablässig für euch – seit dem Tag, an dem wir davon erfahren haben. Wir bitten Gott, dass er euch die vollständige Erkenntnis seines Willens schenkt. Das geschieht durch alle Weisheit und Einsicht, wie der Heilige Geist sie gibt. (Kolosser 1,3+9)

Jetzt, am Ende des Briefes, fordert Paulus die Christen in Kolossä auf, ebenfalls zu beten, und dieses Gebet auch wirklich ernst zu nehmen.

Ich denke, dass wir manchmal ein wenig unsicher sind, ob das Gebet denn wirklich so zentral ist. Aber Paulus erwähnt einige Punkte, die uns zeigen, wie wichtig das Gebet ist.

Gebet ist ein Ausdruck von Wachsamkeit. Durch das Gebet drücken wir aus, dass Jesus Christus im Zentrum unseres Lebens ist. Die Werte, welche unser Leben bestimmen, sollen von Christus her geprägt sein. Deshalb brauchen wir diese ständige Verbindung zu Jesus Christus, die uns das Gebet ermöglicht. Wir wollen ja nicht auf Autopilot durch unseren Alltag gehen, sondern wir wollen wachsam bleiben. Durch das Gebet richten wir uns bewusst auf Christus aus. Wir sind mit Christus auferweckt worden. Als wache Menschen gehen wir durch das Leben:

1 Wenn ihr also zusammen mit Christus auferweckt worden seid, dann richtet euch nach oben hin aus. Dort sitzt Christus an der rechten Seite Gottes. 2 Wendet euch dem zu, was dort oben ist, und nicht dem, was auf der Erde ist! (Kolosser 3,1–2)

Christus ist der Anfang, der Erste, er ist das Haupt des Leibes, also der Gemeinde. Durch das Gebet sind wir mit dem Haupt verbunden. Dabei funktioniert das Gebet in beide Richtungen, denn wir sind mit Gott im Gespräch. Während wir uns im Gebet nach oben ausrichten, bekommen wir durchaus auch eine neue Sicht auf unsere Situation und auf unsere Möglichkeiten. Gott spricht zu uns. Im Gebet reden wir nicht nur, sondern wir hören auch hin.

Im Gebet drücken wir unsere Dankbarkeit aus. Alles, was wir sind, und haben, verdanken wir Gott. Wir sind mit Gott versöhnt, und wir leben zu Gott hin:

20 Und er wollte, dass alles durch ihn Versöhnung erfährt. In ihm sollte alles zum Ziel kommen. Denn er hat Frieden gestiftet durch das Blut, das er am Kreuz vergossen hat. Ja, durch ihn wurde alles versöhnt – auf der Erde wie im Himmel. (Kolosser 1,20)

Wenn wir im Gebet bleiben, bekommt unser Alltag eine Ausrichtung auf das Ziel. Es ist nicht mehr einfach nur Zeit, die vergeht, und Arbeit, die erledigt werden muss. Unsere Dankbarkeit verwandelt unseren Alltag in Schritte, die ein Ziel haben, nämlich Jesus Christus.

Nach der Dankbarkeit kommt die Fürbitte. Paulus hatte geschrieben, dass er und seine Mitarbeiter für die Christen in Kolossä beten. Nun fordert Paulus diese Christen auf, dass auch sie für ihn und seine Mitarbeiter beten. Fürbitte verbindet Christen miteinander. Das ist auch heute noch so. In der Gemeinde beten wir füreinander, und bleiben so miteinander in Verbindung. Wir beten für Menschen, die für Christus in anderen Kulturen arbeiten und dort besonders herausgefordert sind. Oft ist es möglich, von ihnen direkt oder von ihrer Organisation Nachrichten zu bekommen, damit wir wissen, wie wir beten können. Und wenn wir uns selbst mit einer Nachricht oder einer Spende zurück melden, ermutigen wir damit Menschen für ihren Dienst. Solche Verbindungen öffnen unseren Blick für Gottes Wirken weltweit. Durch das Gebet und durch den damit verbundenen Austausch nehmen wir Anteil an unterschiedlichen Diensten.

Paulus nennt selbst ein Anliegen, für welches die Christen in Kolossä beten können: "… dass Gott uns eine Tür für sein Wort öffnet." Dahinter steht die Überzeugung, dass es Gott ist, der Möglichkeiten schafft, damit das Evangelium weitergegeben werden kann. Paulus bittet nicht darum, aus der Gefangenschaft freizukommen. Sein Anliegen ist, dass er da, wo er ist, eine Gelegenheit bekommt, die Botschaft von Jesus Christus weiterzugeben.

Paulus bezeichnet das Evangelium von Jesus Christus als ein Geheimnis, welches enthüllt werden muss. Von diesem Geheimnis hatte Paulus bereits im 2. Kapitel geschrieben:

3 In ihm (Christus) sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. (Kolosser 2,3)

9 In ihm (Christus) ist die ganze Fülle Gottes leibhaftig gegenwärtig. 10 Und an dieser Fülle habt ihr Anteil, weil ihr zu Christus gehört. Der steht als Haupt über allen Mächten und Gewalten. (Kolosser 3,9–10)

Es ist Gott, der bewirkt, dass jemand dieses Geheimnis zu verstehen beginnt. Deshalb ist es auch Gott, der uns Gelegenheiten schafft, auf Jesus Christus hinzuweisen. Paulus sieht sich als ein Werkzeug Gottes. Paulus hat einen Auftrag. Gott entscheidet darüber, wann und wie sein Werkzeug zum Einsatz kommt. Im Gebet zeigt uns Gott, wie wir unseren Auftrag auf eine gute Art und Weise ausführen können. Paulus ist gefesselt – er hat also nur sehr wenige Möglichkeiten, überhaupt etwas zu tun. Auch wir haben nur eingeschränkte Möglichkeiten, Menschen auf das Geheimnis von Jesus Christus hinzuweisen. Wir sind darauf angewiesen, dass Gott uns Möglichkeiten schafft. Wir brauchen Weisheit, Außenstehenden zu begegnen.

Weisheit ist eine Anforderung, welche sich durch den Kolosserbrief zieht. In Christus liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kolosser 2,3). Indem wir uns anderen Menschen gegenüber weise verhalten, zeigen wir, dass Christus in uns wohnt. Es gibt also nicht eine einzelne Methode, die immer funktionieren wird, um Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Wir müssen individuell auf Menschen eingehen. Das bringt uns zurück zum Gebet. Wir müssen mit Christus verbunden bleiben, damit er uns gebrauchen kann.

"Macht das Beste aus eurer Zeit!", schreibt Paulus. Hier gebraucht Paulus nicht das Wort chronos, welches für die Dauer der Zeit steht. Sondern Paulus schreibt von kairos, von dem richtigen Zeitpunkt. Es geht Paulus um Gelegenheiten, die wir erkennen und nutzen sollen. Solche Gelegenheiten gibt es nicht in unendlicher Zahl. Aber wenn sich die Gelegenheit bietet, dann sollten wir auch bereit sein zu einer guten Antwort.

Paulus wirbt dafür, dass wir nicht oberflächlich daher reden, sondern dass wir uns auf den Einzelnen einstellen und ihm antworten. Das bedeutet also, dass wir gut zuhören und auf unser Gegenüber eingehen. Floskeln, auch christliche Floskeln, hinterlassen einen faden Geschmack. Unser Reden soll genau die richtige Würze haben, so dass unser Gesprächspartner noch mehr davon will.

Es gibt ein Detail, welches wir leicht übersehen: Es geht hier darum, dass wir auf Fragen eine gute Antwort geben. So kommen wir nach und nach zu den zentralen Fragen und Anliegen unseres Gegenübers. Hier geht es nicht darum, andere Menschen ungefragt zu belehren. Denn damit schaffen wir Distanz und geraten in die Diskussion. Paulus wirbt dafür, dass wir zur Antwort bereit sind auf die echten Fragen, die unsere Mitmenschen haben und äußern. Wir müssen uns also einfühlen, vielleicht sogar Rückfragen stellen, um unser Gegenüber wirklich zu verstehen.

Die Art, wie wir unser Leben gestalten, wirkt mehr als viele Worte, die wir sagen könnten. Was uns Halt gibt, ist unsere ganz persönliche Verbindung zu Jesus Christus. Wir richten uns auf Christus hin aus. Dies tun wir im Gebet. Viele Faktoren wollen unser Leben beeinflussen. Im Gebet bleiben wir wachsam. Dankbar denken wir daran, dass in Christus aller Reichtum liegt. So treffen wir unsere Entscheidungen und gestalten unser Leben. Wir beten, und wir hören hin, welche Tür Christus für uns öffnet.

Wenn uns andere Menschen fragen, dann hören wir auch da hin. Wir erkennen, dass hier jemand auf der Suche ist. Gemeinsam machen wir uns auf diese Suche. Wir brauchen Weisheit, denn es ist Gott selbst, der das Geheimnis enthüllt. Wir selbst sind ja auch noch dabei, Gottes Geheimnis zu erkennen: Alle Schätze, alle Antworten, alle Weisheit, alle Erkenntnisse liegen in Christus.

So begleiten wir Menschen auf ihrer Suche. Wir sehen unsere Mitmenschen im Licht der Liebe Gottes. Gemeinsam mit unseren Mitmenschen suchen wir Antwort bei Gott. Deshalb ist das Gebet so entscheidend. Wir hören hin. Wir bleiben mit Christus verbunden.


Martin Pusch – Predigt gehalten am 15. Februar 2026.