Predigt-Blog

Hier schreibt unser Pastor Martin Pusch …

Kolosser 4,7–18 – Christusnachfolger sind nicht allein, sondern miteinander unterwegs

Bibeltext (BasisBibel)

7 Wie es mir geht, darüber wird euch Tychikus ausführlich berichten. Er ist mein lieber Bruder und treuer Helfer, der zusammen mit mir im Dienst für den Herrn steht. 8 Zu diesem Zweck habe ich ihn ja zu euch geschickt. Ihr sollt alles über mich erfahren und im Herzen neuen Mut schöpfen. 9 Zusammen mit ihm schicke ich Onesimus, den treuen und lieben Bruder. Er ist ja einer von euch. Die beiden werden euch alles berichten, was hier vorgeht.

10 Aristarch, mein Mitgefangener, lässt euch grüßen, ebenso Markus, der Cousin von Barnabas. Seinetwegen habt ihr ja bereits Anweisungen erhalten. Wenn er zu euch kommt, nehmt ihn freundlich auf! 11 Außerdem lässt euch Jesus grüßen, der Justus genannt wird. Diese drei sind die einzigen jüdischen Mitarbeiter am Reich Gottes, die mir beistanden. 12 Grüße auch von Epaphras, der ja einer von euch ist. Als Diener von Jesus Christus kämpft er in seinen Gebeten immer wieder für euch. Denn ihr sollt vollkommen werden und ganz davon erfüllt sein, was Gottes Wille ist. 13 Ich kann bezeugen: Er setzt sich unermüdlich für euch ein – und genauso für die Glaubenden in Laodizea und Hierapolis. 14 Grüße schließlich auch von unserem lieben Lukas, dem Arzt, sowie von Demas.

15 Grüßt mir die Brüder und Schwestern in Laodizea – besonders Nympha und die Gemeinde, die sich in ihrem Haus trifft. 16 Lest diesen Brief bei euch vor. Und sorgt anschließend dafür, dass er in der Gemeinde von Laodizea vorgelesen wird. Umgekehrt soll der Brief aus Laodizea auch bei euch vorgelesen werden. 17 Und dem Archippus sollt ihr ausrichten: »Achte darauf, dass du den Auftrag erfüllst, den du durch den Herrn bekommen hast!«

18 Meinen persönlichen Gruß schreibe ich, Paulus, mit eigener Hand. Denkt an mich und daran, dass ich in Haft bin. Gnade sei mit euch!

Predigt

Zwei Personen nennt Paulus hier, die der Gemeinde in Kolossä den Brief überbringen werden. Tychikus soll die Gemeinde darüber informieren, wie es um Paulus steht. Onesimus soll ebenfalls mitkommen, schließlich stammt er aus Kolossä und kennt die Gemeinde gut. So wird auch der Brief sicher ankommen, denn Onesimus weiß, wo Menschen aus der Gemeinde wohnen.

Die ersten Gemeinde hatten keine Gemeindehäuser oder Kirchengebäude. Die Gemeinde traf sich in den Häusern. Dabei hat das Wort "Haus" (griechisch: οἶκος – gesprochen: oikos) eine doppelte Bedeutung. Das Haus ist das Gebäude, in dem eine Familie wohnt. Das Haus sind aber auch alle Personen, welche zu diesem Haushalt gehören. Was das Gebäude betrifft, so dürfen wir hier nicht an unsere geschlossenen Häuser denken. Die Küche und der Wirtschaftsbereich waren tagsüber offen. Es herrschte ein Kommen und Gehen von Waren und Dienstleistern. In die Vorrats- und Privaträume konnte man aber nicht einfach hineinspazieren. Da wurde schon aufgepasst.

Der Grad von Offenheit eines Hauses hing davon ab, wie vertraut jemand mit den Menschen dieses Hauses war. Jemand, der in einem Haus bereits bekannt war, konnte auch eine neue Person mitbringen und vorstellen. So konnte Onesimus den Tychikus mitbringen und ihn dem Hausherrn vorstellen. Wenn sich dann abends die Gemeinde in dem Haus traf, konnte Tychikus den Brief übergeben und vom Ergehen des Paulus berichten.

Paulus bezeichnet Tychikus und Onesimus als geliebte Brüder. Beide sind treu, und stehen mit Paulus zusammen im Dienst für den Herrn. Der Name "Onesimus" bedeutet "der Nützliche". Sklaven wurden gerne so genannt. Sehr wahrscheinlich ist dies derselbe Onesimus, um den es im Brief an Philemon geht. Von Tychikus wissen wir, dass er Paulus auf dessen dritter Missionsreise bis nach Jerusalem begleitet hat (Apostelgeschichte 20,4). Tychikus hat also treu zu Paulus gehalten. (Weitere Vorkommen von Tychikus: Epheser 6,21–22; 2. Timotheus 4,12; Titus 3,12.)

In den nächsten Versen finden wir eine Grußliste. Sechs Personen lassen die Gemeinde in Kolossä grüßen. Paulus hat hier aber nicht einfach Namen aufgelistet. Sondern Paulus nennt Details zu jeder dieser Personen.

Die ersten drei Personen sind von ihrer Abstammung her Juden. Aristarch war ein langjähriger Begleiter des Paulus. Er war Mazedonier und stammte aus Thessalonich (Apostelgeschichte 27,2). Er hat Paulus auch noch begleitet, als dieser als Gefangener von Jerusalem nach Rom transportiert wurde. Wir sehen also, dass Aristarch viele schwere Situationen mit Paulus geteilt hat. Zur Zeit des Kolosserbriefs teilt Aristarch das Schicksal von Paulus, und ist ebenfalls gefangen.

Dann wird Markus genannt, ein Neffe des Barnabas. Gut möglich, dass es sich hier um denselben Markus handelt, der sich von Paulus getrennt hatte (Apostelgeschichte 13,13). Diesen Johannes Markus wollte Paulus später nicht mehr im Team haben, und trennte sich deswegen sogar von Barnabas (Apostelgeschichte 15,37–39). Es sieht so aus, als ob Paulus sich später wieder mit Markus und Barnabas versöhnt hat. Jetzt empfiehlt Paulus der Gemeinde in Kolossä sogar, den Markus aufzunehmen, wenn er kommt.

Dann gibt es noch Jesus Justus, über den wir im Neuen Testament aber nicht mehr erfahren. Er wird nur hier genannt. Paulus nennt Aristarch, Markus und Jesus Justus die einzigen drei jüdischen Mitarbeiter am Reich Gottes, die Paulus zur Seite gestanden haben.

Mit dieser Bemerkung lässt Paulus seinen Schmerz durchklingen. Vielleicht hätte Paulus sich mehr Unterstützung gewünscht, auch von den Personen, die zur Zeit des Wirkens von Jesus mit ihm unterwegs gewesen waren. Während Paulus hart arbeitete und einen großen Teil des Römischen Reichs bereiste, scheinen sich die Apostel der ersten Stunde vor allem auf die jüdische Welt konzentriert zu haben. Jedenfalls fühlt sich Paulus recht allein gelassen.

Nun bringt Paulus Grüße von Epaphras. Von ihm war im Kolosserbrief bereits die Rede. Epaphras scheint die Gemeinde in Kolossä gegründet zu haben. Paulus bezeichnet Epaphras als Diener von Jesus Christus. Diesen Ausdruck verwendet Paulus nur für sich selbst und für andere Personen, die sich in besonderem Maße von Jesus Christus abhängig wissen. Neben Epaphras nennt Paulus nur noch Timotheus, den geistliche Sohn von Paulus (Philipper 1,1), einen Diener von Jesus Christus.

Paulus selbst sieht sich von Gott beauftragt, das Evangelium allen Menschen zu bringen (Kolosser 1,28–29). Epaphras hingegen hat einen besonderen Auftrag für Kolossä, für Laodizea und für Hierapolis. Diese drei Orte lagen im Lykostal. Beide, Paulus und Epaphras, nehmen große Mühen auf sich, um ihren Auftrag zu erfüllen.

Epaphras betet dafür, dass die Christen in den drei Städten vollkommen werden und ganz davon erfüllt sind, was Gottes Wille ist. Diese Formulierung fasst wichtige Gedanken des Kolosserbriefs zusammen (Kolosser 1,9–12). Der Glaube an Jesus Christus ist nicht bereits vollkommen, weil wir an irgendeinem Punkt in unserem Leben Jesus Christus begegnet sind. Unser Glaube an Jesus Christus wird dann vollkommen, wenn wir uns ganz auf das Wirken von Jesus Christus einlassen. Hierbei geht es nicht um unsere eigene Leistung, sondern darum, dass Gott uneingeschränkt durch uns wirken kann. Das ist es, was sich Epaphras für die Christen in Kolossä wünscht.

Paulus stellt Epaphras ein positives Zeugnis aus und erkennt ihn als Gemeindegründer an. Indirekt drückt Paulus damit aus, dass die Gemeinden in Kolossä, in Laodizea und in Hierapolis anerkannte Gemeinden sind, auch wenn sie nicht von Paulus gegründet wurden. Grundlage für die Anerkennung ist letztendlich der gemeinsame Glaube an Jesus Christus, und nicht die Geschichte einer Gemeinde.

Es gibt noch zwei weitere heidenchristliche Personen, die grüßen lassen: Lukas, der Arzt, und Demas. Der Name Lukas ist uns bekannt als Verfasser des Lukas-Evangeliums und der Apostelgeschichte. In der Apostelgeschichte sind ganze Abschnitte in der Wir-Form geschrieben. Lukas war also mit Paulus unterwegs, was hier bestätigt wird. Dies hier ist übrigens die einzige Stelle, in der Lukas als Arzt bezeichnet wird.

Und dann ist da noch Demas, der grüßen lässt. Von ihm wissen wir kaum etwas. Auch im Philemon-Brief lässt Demas grüßen (Philemon 1,24). An Timotheus schreibt Paulus später, dass Demas seine Liebe zu dieser Welt entdeckt und ihn verlassen habe (2. Timotheus 4,10).

Nun kommen Grüße, welche die Gemeinde in Kolossä an ihre Nachbargemeinden weiterleiten soll. Genannt wird besonders die Gemeinde in Laodizea, und da wiederum besonders eine Frau namens Nympha und die Gemeinde, die sich in ihrem Haus trifft. Diese Formulierung legt nahe, dass es dort noch mehr Christen gab, die sich in anderen Häusern trafen. Für Paulus sind dies aber nicht mehrere Gemeinden in Laodizea. Der Brief an die Kolosser soll auch in der Gemeinde von Laodizea vorgelesen werden. Obwohl sich die Gemeinde in zwei oder mehr Häusern trifft, handelt es sich trotzdem um eine Gemeinde.

Der Brief des Paulus an die Gemeinde in Laodizea ist uns bisher nicht bekannt. Die Gemeinde-Briefe des Paulus sind jeweils an bestimmte Gemeinden gerichtet, aber sie sollen von vorn herein auch für andere Gemeinden nützlich sein. Wir entdecken hier eine weitere Ebene, auf der die Gemeinden damals miteinander im Austausch waren.

Ein kleines Rätsel gibt uns der Vers 17 auf: Archippus wird dort nicht direkt angesprochen. Es entsteht der Eindruck, dass Archippus beim Vorlesen des Briefes nicht unter den Zuhörern zu finden sein wird. Vielmehr sollen die Christen aus Kolossä ihm eine Botschaft ausrichten. Archippus wird gewusst haben, was Paulus oder Epaphras mit der Aufforderung meinten: "Achte darauf, dass du den Auftrag erfüllst, den du durch den Herrn bekommen hast!" Im Brief an Philemon wird Archippus noch als "Mitstreiter" wertgeschätzt (Philemon 1,2).

Es folgt ein abschließender Gruß, der im originalen Brief in der Handschrift des Paulus geschrieben war. "Gedenkt meiner Fesseln!" schreibt Paulus wörtlich. Die Christen in Kolossä und Laodizea sollen an Paulus im Gebet denken. Im Kolosserbrief hat er ja davon geschrieben, dass Epaphras und er selbst für die Christen in Kolossä beten.

Die Tatsache, dass Paulus gefesselt ist, zeigt aber auch, dass Paulus keine Kompromisse eingeht, wenn es darum geht, Jesus Christus nachzufolgen. Paulus bittet die Gemeinde nicht darum, für seine Freilassung zu beten. Paulus wünscht sich vielmehr, dass Gott ihm eine Tür für sein Wort öffnet, damit Paulus und seine Mitarbeiter vom Geheimnis von Jesus Christus reden können (Kolosser 4,3–4).

Es ist typisch für die Briefe des Paulus, dass sie mit einer Liste von Grüßen enden. Manchmal sind wir vielleicht versucht, eine solche Liste schnell zu überlesen. Doch durch die Grüße verstehen wir, wie vielfältig die Gemeinden zur Zeit der Schriften des Neuen Testaments miteinander verbunden waren. Die Grundlage der Gemeinschaft bildeten die Hausgemeinden – vielleicht vergleichbar mit einem guten Hauskreis, dessen Mitglieder sich wirklich umeinander kümmern. Trotzdem werden die Christen einer Stadt als eine Gemeinde gesehen und angesprochen.

Und dann sind da die Verbindungen zu den benachbarten Städten und den Gemeinden dort. Die Christen kennen sich und begegnen sich. Die Namen der Leiterinnen und Leiter der Hausgemeinden sind bekannt, weil füreinander gebetet wird. Hinter allem steht der Wunsch, Jesus Christus zu dienen und die geschenkte Zeit dafür einzusetzen, das Geheimnis von Jesus Christus bekannt zu machen.

Als Gemeinde stehen wir nicht allein hier in Regensburg. Es gibt weitere Kirchen und Gemeinden, in denen Menschen mit Jesus Christus unterwegs sind. Es ist gut, wenn wir diese Menschen kennen, um ihre Herausforderungen wissen und für sie beten. Von daher ist es gut, Möglichkeiten der Begegnung auch zu nutzen.

Als Gemeinde gehören wir zu einem Gemeindebund. Dies hat mit der Geschichte unserer Gemeinde zu tun. In diesem Zusammenhang sind wir aufgefordert, neu den Kontakt zu unseren Nachbargemeinden in unserem Bund zu suchen. Diese Initiative steht unter dem Motto: "Segen bewegt!". Wir wollen heraus aus einer Haltung, die Gottes Segen hauptsächlich für uns selbst erwartet. Statt dessen wollen wir uns von Gottes Segen bewegen lassen, im wörtlichen Sinne. Zusammen mit unseren Nachbarn im Bund möchten wir herausfinden, wozu wir ganz konkret berufen sind. Unser Treffen am 14. März in Landshut wird es uns ermöglichen, konkrete Kontakte zu knüpfen. Wir müssen uns kennenlernen. Wir brauchen Namen und persönliche Eindrücke. Nur so entstehen diese Verbindungen, die wir auch zwischen den Gemeinden aus der neutestamentlichen Zeit sehen.

Nehmt daher diese Grußliste aus dem Kolosserbrief als Arbeitsauftrag wahr. Wir wollen aneinander denken, füreinander beten und miteinander unterwegs sein – nicht nur hier, vor Ort, als relativ kleine Gemeinde in einer Sackgasse – sondern als Gemeinde mit einem weiten Horizont – als Gemeinde, die vielfältige Kontakte aufbaut und mit anderen Christen verbunden ist. Wenn Gottes Segen uns bewegt, dann fließt dieser Segen durch uns hindurch zu den Menschen. Wir bitten Gott, dass er uns eine Tür öffnet.


Martin Pusch – Predigt gehalten am 8. März 2026.