Matthäus 28,16–20 – Ein baptistisches Grundelement – Die Taufe auf das Bekenntnis des Glaubens
Bibeltext (BasisBibel)
16Die elf Jünger gingen nach Galiläa. Sie stiegen auf den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte.17Als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Aber einige hatten auch Zweifel.18Jesus kam zu ihnen und sagte: »Gott hat mir alle Macht gegeben, im Himmel und auf der Erde.19Geht nun hin zu allen Völkern und ladet die Menschen ein, meine Jünger und Jüngerinnen zu werden. Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!20Und lehrt sie, alles zu tun, was ich euch geboten habe! Seid gewiss: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.«
Predigt
Elf Jünger steigen auf einen Berg. Es ist nicht irgendein Berg. Jesus hatte ihnen einen ganz bestimmten Berg genannt. Dort wollte Jesus seine Jünger treffen.
Es sind elf Jünger, die Jesus treffen werden. Ein Jünger fehlt. Dieser Jünger hatte eingesehen:
»Ich habe große Schuld auf mich geladen. Ein Unschuldiger wird getötet und ich habe ihn verraten!« (Matthäus 27,4)
Ich bin überzeugt davon, dass Judas, der fehlende Jünger, bei Jesus Vergebung erfahren hätte. Doch Judas ist an sich selbst verzweifelt. Judas hat es vielleicht auch nicht mehr für möglich gehalten, Jesus noch einmal begegnen zu können, um die Sache mit Jesus in Ordnung zu bringen.
Zweifel sind eigentlich kein Hindernis, Jesus zu begegnen. Als die elf Jünger Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Aber, lesen wir, einige hatten auch Zweifel. Was war mit diesen Zweiflern? Blieben sie vor Jesus stehen, statt niederzufallen? Oder fielen sie nieder, waren sich aber nicht sicher, ob wirklich Jesus vor ihnen stand? Nein, sie fielen alle vor Jesus nieder. Hier gibt es nur eine einzige Gruppe von Jüngern.
Alle elf Jünger hatten mehr oder weniger an Jesus gezweifelt. Sie hatten sich von Jesus abgewandt, um ihre eigene Haut zu retten. Stellvertretend sehen wir dies am Beispiel von Petrus, der Jesus dreimal verleugnet hat (Matthäus 26,69–75). Jetzt, wo die Jünger Jesus auf dem Berg sehen, bleiben die Jünger auf Abstand. Sie fallen vor Jesus nieder. Es ist Jesus, der den Abstand überbrückt. Jesus geht zu ihnen hin. Nicht die Jünger kommen nahe zu Jesus, sondern Jesus kommt zu ihnen.
Jesus unterscheidet hier nicht zwischen Glaubenden und Zweiflern. Die Grundlage für das, was Jesus hier sagt, ist nicht der Glaube seiner Jünger. Die Grundlage für das, was Jesus hier sagt, ist die Tatsache, dass Gott ihm alle Macht gegeben hat.
Jesus sagt: "Gott hat mir alle Macht gegeben, im Himmel und auf der Erde." Für seine Macht ist Jesus nicht auf die Jünger angewiesen (Matthäus 3,9). Gott hat Jesus alle Macht gegeben. Die Welt wird sich dahin bewegen, wo Gott sie haben will. Zwölf Mal weist der Evangelist Matthäus darauf hin, dass etwas geschieht, um ein konkretes prophetisches Wort zu erfüllen (Matthäus 1,22; 2,15.17.23; 4,14; 8,17; 12,17–21; 13,14.55; 21,4–5; 26,56; 27,9–10). Diese prophetischen Worte hatte Gott gegeben, um zu zeigen: Hier ist Gott am Werk. Dass sich so viele Details wortwörtlich erfüllen, ist kein Zufall. Zweifelnde Menschen, oder sogar ungehorsame Menschen, können Gott nicht aufhalten.
Wenn Jesus nicht auf seine Jünger angewiesen ist: Auf welcher Grundlage steht denn nun die Beziehung von Jesus zu seinen Jüngern? Grundlage ist die Berufung durch Jesus. Wir können davon ausgehen, dass sich Jesus seine zwölf Jünger gezielt ausgewählt und berufen hat (Matthäus 4,18–22; 9,9; 10,1–4). Simon und Andreas, Jakobus und Johannes oder auch Levi sind damals nicht zu Jesus gekommen, sondern Jesus ist zu ihnen hingegangen und hat sie berufen. Das wiederholt Jesus hier auf dem Berg. Die Jünger liegen vor Jesus auf dem Boden. Glaube und Zweifel liegen eng beieinander. Jesus geht auf die Jünger zu. Jesus überbrückt die Distanz, denn Jesus ist alle Macht gegeben, im Himmel und auf der Erde. Grundlage der Beziehung zwischen Jesus und seinen Jüngern ist die Berufung durch Jesus. Glaube oder Zweifel machen für die Berufung durch Jesus keinen Unterschied.
Können wir unseren Glauben oder unseren Zweifel überhaupt selbst beeinflussen? Ja. Die zweifelnden Jünger haben das Beste getan. Sie sind, zusammen mit den glaubenden Jüngern, auf den Berg gestiegen, um Jesus zu begegnen. Die zweifelnden Jünger sind, zusammen mit den glaubenden Jüngern, vor Jesus niedergefallen. So konnte Jesus die Distanz zu beiden überbrücken. Jesus hat von Gott alle Macht bekommen, im Himmel und auf der Erde. Im Zentrum der Macht spielen weder Glaube noch Zweifel eine Rolle.
Versetzen wir uns doch für einen Moment in die Situation der Jünger von Jesus. Jesus ist am Kreuz gestorben. Mit Jesu Tod scheint für die Jünger alle Hoffnung begraben. Jeder normale Mensch hätte versucht, dem Tod zu entgehen. Jesus schien nicht die Macht zu haben, seinen Tod abzuwenden. Zwei Tage später kommen die Frauen mit der Nachricht, Jesus sei von den Toten auferstanden. Die Hoffnung der Jünger keimt wieder auf. Offensichtlich hat Gott eingegriffen. Wird Jesus nun endlich sein Reich sichtbar aufrichten? Wird Jesus Kritiker und Gegner in ihre Schranken verweisen? Jesus hat ja jetzt alle himmlische und irdische Macht von Gott bekommen. Was wird Jesus tun? Vielleicht sind die Jünger schon ganz gespannt auf die erste Amtshandlung des neuen Machthabers.
Als erste Amtshandlung spricht Jesus mit elf staubigen Gestalten, die vor ihm liegen, und gibt ihnen einen Auftrag:
19Geht nun hin zu allen Völkern und ladet die Menschen ein, meine Jünger und Jüngerinnen zu werden. Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!20Und lehrt sie, alles zu tun, was ich euch geboten habe!
Die elf Jünger sind allesamt Juden. Aber Jesus sendet seine Jünger nicht nur zum Volk Israel. Die Jünger sollen zu allen Völkern gehen, um die Menschen einzuladen, Jüngerinnen und Jünger von Jesus zu werden. Die Macht von Jesus Christus umfasst Himmel und Erde. Kein Volk der Erde ist von Jesu Macht ausgeschlossen. Aber noch wissen die Völker nichts, oder nur wenig, von Jesus. Die Völker brauchen eine Einladung. Die Völker brauchen Wissen über Jesus. Menschen, die selbst Jesus begegnet sind, sollen anderen Menschen ermöglichen, Jesus zu begegnen. Die elf Jünger bekommen den Auftrag, die ganze Welt zu Jesus einzuladen.
Aus meiner Sicht gehört zu diesem Auftrag, den anderen Völkern die Geschichte Israels nahezubringen. Jesus hat ja in Israel gelebt und gewirkt. Darum ist das Leben und Wirken von Jesus eingebettet in die Geschichte Israels und in das Wirken der Propheten in Israel. Selbst die Tatsache, dass Jesus von den religiösen Führern abgelehnt wurde, hat ihre Wurzel in der Geschichte Israels. Den Pharisäern und Schriftgelehrten war es ein Anliegen, die alten Fehler Israels zu vermeiden und Gott besonders genau zu gehorchen (Matthäus 12,1–8). Für die Pharisäer und Schriftgelehrten war der Sabbat der Höhepunkt der Schöpfung. Ganz Israel musste lernen, den Sabbat einzuhalten. Von Vorteil war natürlich auch, dass sich ein solches Gebot recht leicht überwachen lässt. Jesus hingegen setzt auf die Beziehungsfähigkeit der Menschen zu Gott. Der Mensch ist nach dem Bilde Gottes geschaffen (Genesis/1. Mose 1,27). Bei Jesus geht es um die innere Ausrichtung des Menschen auf Gott. Diese Ausrichtung auf Gott wird dann in den Taten des Menschen sichtbar. Jesus lädt alle Menschen dieser Welt ein, mit ihm in Beziehung zu treten, weil er nun alle Macht hat. Jesus ist Gott. Der Höhepunkt der Schöpfung ist die Tatsache, dass Gott mit seiner Schöpfung in Beziehung tritt.
In diesem Zusammenhang kommt nun der Auftrag an die Jünger, Menschen zu taufen. Im griechischen Text sind hier vier Elemente jeweils mit einem "und" verbunden: "Gehet nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie … und lehrt sie …". Diese Kette startet mit der Aufforderung, hinzugehen zu den Nationen. Hinzugehen zu allen Völkern ist die Voraussetzung, um Menschen zu Jüngerinnen und Jünger von Jesus zu machen. Anschließend sollen diese Jüngerinnen und Jünger von Jesus dann getauft werden.
Deshalb haben wir in unserer Gemeinde die Gewohnheit, solche Menschen zu taufen, die Jesus nachfolgen wollen. Hingegen taufen wir keine Kinder von Jüngerinnen und Jüngern Jesu, sondern wir warten ab, bis das Kind alt genug ist, sich selbst für die Nachfolge zu entscheiden. Das ist eine der Grundlagen für Baptistengemeinden. Gleichzeitig war dies in den Anfängen das auffälligste Merkmal der Baptisten. Menschen waren beeindruckt, zu sehen, dass mündige Menschen sich in Flüssen und Seen untertauchen ließen, und gaben dieser neuen Gruppe den Name "Baptisten". Das griechische Wort "βαπτίζω – baptizo" bedeutet soviel wie eintauchen oder untertauchen.
Wir achten also sehr darauf, dass wir nur Menschen taufen, die auch Jüngerin oder Jünger von Jesus sein wollen. Was wir allerdings darüber manchmal vergessen, ist das Hingehen zu den Menschen. Wenn eine Baptistengemeinde groß genug ist und sich ein Gemeindehaus leisten kann, richtet sie sich in diesem Haus ein und erwartet, dass die Menschen dorthin kommen. Dabei sendet Dich Jesus zu den Menschen. Wenn Du also eine Arbeitsstelle hast, oder einen Ort des Lernens, dann bist Du zu den Menschen dort gesandt. Wenn Du zum Arzt musst, oder ins Krankenhaus, dann bist Du dort, weil Jesus Dich zu den Menschen sendet. Wenn Du in Urlaub fährst, macht Dein Jünger-Dasein keinen Urlaub, sondern Du bist zu den Menschen gesandt, denen Du dort begegnest.
Wir können ja einmal die Gegenprobe machen: Kann man Jüngerin oder Jünger von Jesus sein, ohne zu den Menschen gesandt zu sein? Gibt es solche Spezial-Jünger, die sagen können: Ich brühe hier nur den Kaffe auf. Oder: Ich kümmere mich nur um die Technik. Oder: Ich putze hier nur den Dreck weg. Nein, denn all diese Aufgaben finden ihren Sinn als Teil der Sendung durch Jesus Christus. Genau hier liegt ja die Motivation, eine solche Aufgabe zu übernehmen und sie auch so gut wie möglich umzusetzen. Schließlich ist Jesus selbst dem Auftrag seines Vaters nachgekommen. Jesus selbst ist in diese Welt gesandt. Jesus ist Mensch geworden, und hat sein Leben für die Menschen eingesetzt. Wer Jesus nachfolgen will, ist daher untrennbar Jesu Sendung in diese Welt verpflichtet. Jesus ähnlicher zu werden bedeutet ja gerade, menschlicher zu werden, und nicht an den Grundbedürfnissen der Menschen vorbei zu gehen.
Nun gibt es nach der Taufe noch ein weiteres Element, nämlich den Auftrag, die getauften Jüngerinnen und Jünger Jesu all das zu lehren, was Jesus auch gelehrt hat. Das Element der Lehre kommt erst nach der Taufe. Alles startet mit dem Hingehen zu den Menschen. Der nächste Schritt ist, den Menschen Jesus vorzustellen. Wer Jüngerin oder Jünger von Jesus werden will, wird getauft. Die Taufe kommt also direkt am Anfang des Weges einer Jüngerin oder eines Jüngers. Dann kommt das Lernen von Jesus. Alles, was Jesus seine Jünger gelehrt hat, das sollen die neuen Jüngerinnen und Jünger ebenfalls lernen.
Ich würde also zwei Anliegen voneinander unterscheiden. Die Frage: "Wer ist Jesus?" muss vor der Taufe geklärt sein. Als Jesus Simon und Andreas, Jakobus und Johannes oder auch Levi in die Nachfolge rief, da konnten die Angesprochenen einordnen, dass Jesus ein religiöser Lehrer war. Ich kann nicht Jünger von jemandem werden, von dem ich keine Vorstellung habe. Wir müssen den Menschen "Jesus vor Augen malen als den Gekreuzigten" (Galater 3,1), wie Paulus es bezeichnet. Natürlich werde ich Jesus erst dann wirklich kennenlernen, wenn ich mit ihm zusammen auf dem Weg bin. Das führt uns zur zweiten Frage: "Was lerne ich von Jesus?" Dieses Lernen findet auf dem Weg mit Jesus statt, und hat seinen Platz nach der Taufe.
Jesus beauftragt die elf Jünger, die Völker zu lehren, alles zu tun, was Jesus geboten hat. Mich persönlich beschäftigt vor allem das Wörtchen "alles". Warum tun wir manchmal so, als wenn es als Christ unendlich viel zu lernen gäbe? Jesus hat seine Jüngerinnen und Jünger etwa drei Jahre lang unterrichtet. Davon haben wir heute schwarz auf weiß vorliegen, was in den Evangelien aufgeschrieben ist. Dann haben wir die restlichen Bücher des Neuen Testaments, in denen das, was Jesus gelehrt hat, auf konkrete Situationen angewendet wird. Wer sich jeden Tag 15 bis 20 Minuten Zeit nimmt, in der Bibel zu lesen, kommt in einem Jahr durch die Bibel. Was den Lernstoff betrifft, ist die Menge also begrenzt. Richtig ist aber, dass wir unser Leben lang herausgefordert sind, das Gelernte auch tatsächlich zu tun. Hier, denke ich, liegt unsere Hauptaufgabe als Gemeinde: Wir unterstützen uns gegenseitig dabei, alles, was Jesus gelehrt hat, auch tatsächlich zu tun. Dieses Miteinander in der Gemeinde muss Jesu Art entsprechen, die von der Gnade bestimmt, also geduldig und vergebungsbereit ist.
Wir haben nun die vier Elemente gesehen, die jeweils mit einem "und" miteinander verbunden sind: "Gehet nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie … und lehrt sie …". Diese vier Elemente sind förmlich eingerahmt von zwei machtvollen Aussagen. Jesus sagt: "Gott hat mir alle Macht gegeben, im Himmel und auf der Erde." Jesu Macht ist die Grundlage der Sendung. Wenn wir Menschen zu Jesus einladen, dann tun wir dies aus einer eigentümlichen Position heraus: Wir liegen am Boden, und schwanken selbst zwischen Glaube und Zweifel. Wir selbst haben keine Macht, und wir fühlen uns auch nicht besonders mächtig. Trotzdem kommen wir nicht mit leeren Händen: Wir liegen vor Jesus, weil unser ganzes Leben ihm gehört. Jesus sagt mehrfach im Matthäus-Evangelium:
Wer sein Leben erhalten will, wird es verlieren. Aber wer sein Leben verliert, weil er es für mich einsetzt, wird es erhalten. (Matthäus 10,39; 16,25; vergleiche auch 19,29)
Im Grunde ist es also Jesus, der uns unser Leben erhält und schenkt. Das bringt uns zu der abschließenden Zusage von Jesus: "Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt."
Mich macht es immer etwas fassungslos, wenn Christen diesen Vers für sich in Anspruch nehmen, und dabei das "Geht nun hin zu allen Völkern" völlig vergessen. Wenn wir nicht hingehen, dann schickt Jesus die Völker hierher. So war das zwar nicht abgemacht, aber Jesus hat eben alle Gewalt, im Himmel und auf der Erde – also müssen wir uns nicht wundern, wenn Jesus diese Macht auch einsetzt. Wir haben keine Alternative für Deutschland, keinen Sonderweg, auf dem wir praktisch unsere Lebensweise erhalten können. Das Evangelium muss hin zu den Völkern. Nur, wenn wir Jesu Auftrag als unseren persönlichen Auftrag annehmen, sind wir auch sicher, dass Jesus jeden einzelnen Tag mit dabei ist.
Ich möchte gerne noch zwei Missverständnisse ansprechen, die mir in Zusammenhang mit diesem Text aus Matthäus 28 begegnen. Das eine Missverständnis hat mit der persönlichen Begabung zu tun. Paulus schreibt in seinen Briefen von Gaben, die der Geist Gottes gibt (1. Korinther 12.13.14; Römer 12,3–8; Epheser 4,7–13). Manche lesen diese Stellen, und sagen sich dann: "Ich habe nicht die Gaben, die man braucht, um das Evangelium zu Menschen aus anderen Völkern und Kulturen zu bringen. Leider bin ich in dieser Hinsicht völlig unbegabt." Diese Menschen wiederholen praktisch das Argument von Mose, der zu Gott sagte: Sende, wen du willst, aber nicht mich. (Exodus/2. Mose 4,13) Lest dieses Gespräch zwischen Mose und Gott gerne nach. Gott gibt dort dem Mose sehr ausführlich alle Zusagen, die Jesus auch seinen Jüngern gibt. Als Mose dann sagt: Sende, wen du willst – da wird Gott zornig, und Mose muss trotzdem gehorchen. Und was die persönlichen Begabungen betrifft: Manche dieser Begabungen entdecken wir erst, wenn wir sie wirklich brauchen. Vielleicht müssen wir auch einfach von Jesus lernen, uns selbst nicht so wichtig zu nehmen.
Das andere Missverständnis betrifft die Frage der Berufung (Römer 8,28–30; 1. Korinther 1,26–27; Epheser 4,1). Weil Paulus immer wieder von seiner Berufung als Apostel für die Heiden schreibt, sagen sich manche: "Ich habe aber keine Berufung. Ich warte mal, ob Jesus mich beruft. Das muss schon ganz klar für mich sein, sonst kann ich nicht losziehen." Sicher war es für Paulus wichtig, eine ganz persönliche Berufung von Jesus zu bekommen. Schließlich musste er ja erst noch vom Saulus zum Paulus werden. Aber ich bin davon überzeugt, dass Du als Jüngerin oder Jünger von Jesus keine andere Berufung mehr brauchst als diese Verse aus Matthäus 28. Natürlich kannst Du Gott bitten, Dich auf Deinem Weg zu den Menschen zu leiten. Aber Du bist von Jesus berufen, Dich in seinem Namen den Menschen zuzuwenden. Du bist dazu berufen, Wege zu den Menschen zu suchen und zu finden. Du bist dazu berufen, Dich in Bewegung zu setzen. Und Du wirst erfahren, dass Jesus Dich dabei nicht alleine lässt. Sei gewiss: Jesus ist immer bei Dir, jeden Tag, bis zum Ende Deines Weges mit ihm.
Martin Pusch – Predigt gehalten am 23. August 2026.