Predigt-Blog

Hier schreibt unser Pastor Martin Pusch …

Offenbarung 21,1–7 – Gott macht alles neu

Bibeltext (BasisBibel)

1 Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr da. 2 Und ich sah die heilige Stadt: das neue Jerusalem. Sie kam von Gott aus dem Himmel herab – für die Hochzeit bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. 3 Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen: »Sieh her: Gottes Wohnung ist bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. 4 Er wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen.« 5 Der auf dem Thron saß, sagte: »Ich mache alles neu.« Und er fügte hinzu: »Schreib alles auf, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.« 6 Dann sagte er zu mir: »Es ist geschehen! Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Ich werde dem Durstigen Wasser geben, das aus der Quelle des Lebens fließt. Ich gebe es ihm umsonst. 7 Wer siegreich ist und standhaft im Glauben, wird das alles als Erbe erhalten. Ich werde sein Gott sein, und er wird mein Kind sein.

Predigt

Im Römischen Reich kam es immer wieder dazu, dass Christen verfolgt wurden. Zunächst handelte es sich um lokale oder regionale Verfolgungen. Christen wanderten dann in andere Gebiete aus, um der Verfolgung zu entgehen. Durch diese Bewegungen wurde der christliche Glaube noch stärker verbreitet.

Ein Beispiel für lokale Verfolgung finden wir in Apostelgeschichte 17,7:

6b »Diese Leute versetzen die ganze Welt in Aufruhr. Und jetzt sind sie hier bei uns aufgetaucht! 7 Jason hat sie bei sich aufgenommen. Allesamt verstoßen sie gegen die Gesetze des Kaisers. Sie behaupten, dass ein anderer König ist – Jesus.«

Offensichtlich haben die Christen die Macht von Jesus Christus höher bewertet als die Macht des Kaisers. Solche Äußerungen von Christen wurden als Vorwand genutzt, um Christen in Misskredit zu bringen und zu verfolgen.

Die staatlich gelenkte Verfolgung von Christen kam in Wellen, und wurde mit der Zeit immer stärker. Im Neuen Testament haben diese Verfolgungen ihre Spuren hinterlassen. So schreibt Petrus in seinem ersten Brief:

12 Meine Lieben! Wundert euch nicht darüber, dass ihr auf die Probe gestellt werdet. Das ist nichts Ungewöhnliches, auch wenn es wie ein Feuer über euch hereinbricht. […] 17 Denn die Zeit ist da, in der das Gericht Gottes beginnt – und zwar bei seinem eigenen Haus. Was bei uns geschieht, ist also nur der Anfang. Wie wird dann erst das Ende von denen aussehen, die die Gute Nachricht von Gott nicht glauben? (1. Petrus 4,12+17)

Diesen Gedanken, den Petrus hier formuliert, finden wir auch im Buch der Offenbarung. Jesus Christus ist der Herrscher. Sein Gericht fängt bei seinem eigenen Haus an. So finden wir am Anfang des Buches der Offenbarung sieben Sendschreiben an konkrete Gemeinden. Diese Gemeinden werden ermutigt, aber auch ermahnt und korrigiert. Insgesamt soll das Buch der Offenbarung den verfolgten Christen helfen, ihr Vertrauen in Christus zu stärken.

An manchen Orten war Verfolgung bereits zu spüren. Die Gemeinde in Pergamon erlebte Verfolgung (Offenbarung 2,13). Auch der Apostel Johannes war ja nicht freiwillig auf der Insel Patmos, sondern weil er dorthin verbannt wurde. Johannes sieht, dass sich die Verfolgung noch ausbreiten wird (Offenbarung 3,10). Es kommen herausfordernde Zeiten, die sich zu einer Stunde der Prüfung für die Christen auswachsen werden. Doch Jesus Christus sagt:

17b »Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 18 und der Lebendige. Ich war tot, doch schau her: Ich lebe für immer und ewig, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zum Totenreich. (Offenbarung 1,17b-18)

Über weite Strecken knüpft das Buch der Offenbarung bei den alttestamentlichen Propheten an. Die 404 Verse des Buches der Offenbarung enthalten etwa 600 Bezüge auf das Alte Testament. Hier sind besonders die Psalmen zu nennen, sowie die Propheten Jesaja, Hesekiel, Daniel und Sacharja. Dabei geht Johannes sehr frei mit diesen Texten um. Schließlich wird die alttestamentliche Prophetie durch Christus erfüllt. Von daher wird die alttestamentliche Botschaft nicht einfach nur wiederholt, sondern sie wird aktualisiert und neu zusammengestellt.

In unseren Versen aus Offenbarung 21 sieht Johannes einen neuen Himmel und eine neue Erde. Der erste Himmel und die erste Erde sind nicht mehr da. Auch das Meer ist nicht mehr. Das Meer ist hier verstanden als ein für Menschen lebensfeindlicher Ort. Aus dem Meer tauchte im 13. Kapitel das Tier auf, welches sich gegen Gott stellte. Diese Brutstätte des Bösen wird es nicht mehr geben. Für verfolgte Christen ist dies eine gute und ermutigende Nachricht.

Das Wort “neu” kennzeichnet die kommende Welt Gottes. Der neue Himmel und die neue Erde sind keine Weiterentwicklung, sondern eine Neuschöpfung. Wir sind schon jetzt Teil von Gottes Plan, durch den Gott die Welt erneuert. Doch Johannes erlebt nun den Moment, an dem das Neue sichtbar wird.

In Liedern und anderen Texten bleibt Gottes neue Welt oft seltsam leer. “Ich werde IHN sehen.” Oft wird alles auf diesen einen Gedanken reduziert: Ich werde bei meinem Herrn sein. Doch die neue Welt besteht nicht nur aus Personen. Als Nachkommen Adams sind wir Erdenmenschen, denn wir bestehen aus Erde. Und so schafft Gott eine neue Erde, eine neue Umgebung für unser Leben. Eine neue Welt wartet darauf, dass wir sie entdecken und in Besitz nehmen. Wir werden diese Welt sehen und spüren, wir werden sie hören, riechen und schmecken. Wir werden Aufgaben haben, sinnvolle Arbeit. Wir werden die neue Welt mit gestalten und unsere Spuren dort hinterlassen. Am Ende wird dies nicht nur Gottes neue Welt sein, sondern unser neues Leben bekommt eine neue Heimat.

Johannes sieht die heilige Stadt: das neue Jerusalem. Diese neue Stadt kommt von Gott aus dem Himmel herab. Die Stadt ist geschmückt, so, wie sich eine Braut für ihren Mann schmückt. Das neue Jerusalem ist die Gemeinde, und sie wird hier als Stadt beschrieben. Jüdisches Denken verbindet mit einer Stadt den Gedanken von Sicherheit. Wer hinter schützenden Mauern geborgen wohnen kann, dem geht es gut. Griechisches Denken sieht bei einer Stadt mehr die stabile Rechtsordnung und die gut organisierte Gemeinschaft, die Polis. Egal, wo wir nun unseren Schwerpunkt setzen: Der Mensch begegnet Gott als Teil einer Menschengemeinschaft. Die heilige Stadt ist eine komplexe, aber geordnete Gestalt mit vielen Dimensionen. Ja, Gott sieht jedes Individuum, denn Gott wischt jede Träne ab und stillt den Durst. Aber das Bild der Hochzeit bezieht sich auf die komplexe und wohl geordnete Gemeinschaft, und nicht auf den einzelnen Menschen. Die neue Stadt, die Braut kommt vom Himmel herab, als ein Werk Gottes.

Die heilige Stadt kommt fertig vorbereitet aus dem Himmel herab. Die Stadt kommt von Gott. Gott selbst ist der Schöpfer dieser neuen Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft steht im Zentrum. Die Stadt verbindet den neuen Himmel mit der neuen Erde. Das neue Jerusalem ist der Wohnort Gottes unter seinen Völkern. Im griechischen Text wird dieser Wohnort Gottes als Hütte oder als Zelt bezeichnet. Hier besteht eine gedankliche Brücke zur Stiftshütte. Damals, während der Wüstenwanderung, lebte Gott mitten unter seinem Volk. Gott geht unseren Weg mit. Gott geht auch mit, wenn wir durch Leid gehen. Jesus Christus hat gelitten und ist am Kreuz gestorben, ohne solches Leid in irgendeiner Weise verdient zu haben. Hier leuchtet der Name auf: Immanuel. Gott ist mit uns. Gott selbst wird als Gott bei ihnen sein. Dieser Satz ist ausdrücklich auf unser Leid bezogen. Im Leid ist Gott bei uns. Gott wischt unsere Tränen ab. Und all die schweren Dinge, die uns traurig gemacht haben, sind vergangen. Es gibt keinen Tod mehr. Es gibt keinen Grund mehr, zu trauern und zu klagen. Es gibt keinen Schmerz mehr. Gott schenkt Auferstehung und neues Leben. Gott selbst sagt: Ich mache alles neu.

Damals, in der Wüste, wohnte Gott mitten unter seinem Volk. Damals wurde der Singular verwendet, denn es war ein einzelnes Volk. Hier, im Buch der Offenbarung, wird der Plural verwendet: Gott wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein. Lange hat man gedacht, dass hier ein Fehler im Text wäre. Sie werden seine Völker sein? Hesekiel und Jeremia bleiben im Singular: “Ihr werdet mein Volk sein.” (Hesekiel 11,20; 14,11; 34,24; 36,28; 37,23.27; Jeremia 7,23; 11,4; 24,7; 30,22; 31,1.33; 32,38). Doch Gott wohnt nicht bei irgendeiner Auswahl von Menschen, sondern Gott wohnt bei seinen Menschen. Wir können Teil von unterschiedlichen Völkern sein, und gehören doch gleichzeitig zu Gott.

Gott spricht von seinem Thron aus. Der Thron ist der Sitz des Herrschers. Hier werden Anweisungen und Befehle gegeben. Gleichzeitig ist Gottes Wohnung bei seinen Menschen. Gott ist nahe. Gott herrscht. Wir brauchen beides, um getröstet zu sein. Gott wischt unsere Tränen ab. Gleichzeitig macht der Herrscher auf dem Thron alles neu. Gott tröstet uns nicht nur, sondern Gott entzieht dem Leid jede Grundlage. Das, was früher war, ist vergangen.

Gott spricht von seinem Thron aus: “Sieh her, ich mache alles neu.” Dabei legt Gott sich fest. Gott lässt sein Wort aufschreiben. Gott will uns die Sicherheit geben, dass alles tatsächlich so kommt, wie er es gesagt hat. Sicherheit liegt für uns nicht nur in dem, was Gott uns sagt, sondern auch in dem, wie Gott ist. Alpha und Omega sind im Griechischen der erste und letzte Buchstabe des Alphabets. Gott ist der Anfang und das Ende. Gott ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Das Meer mit seinem todbringenden Wasser existiert nicht mehr. Doch von Gott geht ein Wasser aus, welches Leben bringt. Gott stillt unseren Durst nach Leben. Gott gibt kostenlos, weil wir dieses Leben nicht bezahlen könnten. Der einzige Weg ist, das wir uns das Leben von Gott schenken lassen.

Dieses “umsonst” wird noch verlängert durch den Gedanken des Erbes. “Wer siegreich ist und standhaft im Glauben, wird das alles als Erbe erhalten.” Gott setzt seinen ganzen Reichtum für uns ein.

Wir lesen hier: “Wer siegreich ist …” Können wir denn auch “nicht siegreich” sein? Nun, alles, was wir tun müssen, ist, an Gott und an seiner Verheißung festzuhalten (Offenbarung 2,25; 3,11). Gott ist Anfang und Ende. Daran sollen wir festhalten. Im Buch der Offenbarung wird das, was gegen Gott ist, Lüge genannt. Die Wahrheit hingegen ist klar und einfach. Gott macht alles neu. Christus ist der Anfang, der Erste, das Haupt. Christus ist auferstanden. Ihm folgen wir nach. Daran halten wir fest. Wir haben Gottes Verheißung auf unserer Seite: “Ich werde sein Gott sein, und er (oder sie) wird mein Kind sein.”

Dieser Text ist zu einer Zeit gegeben worden, als viele Christen verfolgt wurden. Und ja, es gibt all das Unheil. Tränen, Tod, Trauer, Klage und Schmerz sind real. Aber dieses Unheil wird vergehen. Nicht die Menschheit wird sich weiterentwickeln und das Unheil besiegen. Sondern Gott als der Herrscher wird alles neu machen. Dann werden wir als Kinder Gottes offenbar werden (1. Johannes 3,2).

1 Seht doch, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es tatsächlich. Doch diese Welt weiß nicht, wer wir sind. Denn sie hat Gott nicht erkannt. 2 Ihr Lieben, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir einmal sein werden, ist noch gar nicht sichtbar. Wir wissen jedoch: Wenn es offenbar wird, werden wir Gott ähnlich sein. Denn dann werden wir ihn sehen, wie er ist. (1. Johannes 3,1-2)


Martin Pusch – Predigt gehalten am 23. November 2025.